Aus der Forschung

Prof. Dr. Gesine Schwan ist Politikwissenschaftlerin und leitet als Präsidentin die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin.
Energiewende: Verlässlichkeit durch Partizipation
Die Energiewende sei keineswegs eine rein technologische Aufgabe, die von den Experten allein vorangetrieben werden könne, sagte Gesine Schwan in ihrem Vortrag beim ersten Helmholtz-Energiegespräch am 27. Juni 2012 in Berlin. „Es wird nicht funktionieren, ein Energieministerium einzurichten und diese Entscheidungen von oben zu verordnen. Nötig sind konsensuelle Entscheidungen, zumindest in den großen Fragen.“ Erst die Einbindung aller gesellschaftlichen Interessensgruppen schaffe verlässliche Entscheidungen, die auch die nötige Planungssicherheit für langfristige Investitionen biete.
Dabei erfordert ein echter partizipatorischer Ansatz auch eine Erweiterung des Forschungsverständnisses, von der Interdisziplinarität zur Transdisziplinarität. Denn die Wissensgesellschaft verfügt über unterschiedliche Arten von Wissen, nicht nur über wissenschaftlich-methodisch entwickeltes Wissen, sondern auch über unterschiedliche Perspektiven, Interessen und Ziele. Erst der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren und die Einbindung dieser unterschiedlichen Perspektiven bietet die Chance, langfristig gute Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls zu treffen.
Dadurch verändert sich allerdings die Rolle der wissenschaftlichen Experten, ihr Fachwissen bleibt gefragt, aber in der Debatte um die richtigen Weichenstellungen sind sie nur ein Partner in der Arena. Der Austausch mit den verschiedenen Interessengruppen könnte dann auch neue Fragen an die Wissenschaft aufwerfen. „Wir müssen aber die Dinge zu Ende denken und brauchen auch eine Entschleunigung der Prozesse. Paneldiskussionen genügen da nicht, sie sind ein Startpunkt, an den man anknüpfen muss.“


