Hermann

Aus der Forschung

Pylon. Bild: KIT

Pylon. Bild: KIT

Es diskutierten:

Prof. Dr. Gesine Schwan, Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin

Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Prof. Dr.-Ing. Michael Weinhold, CTO Siemens Energy, Siemens AG

Dr. Holger Krawinkel, Leiter Fachbereich Bauen, Energie und Umwelt, Verbraucherzentrale Bundesverband

Dr. Werner Neumann, energiepolitischer Sprecher, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Prof. Dr. Ortwin Renn, Sprecher der Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS (Moderation)

Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard F. J. Hüttl, Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft und Wiss. Vorstand des Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Prof. Dr. Ortwin Renn, Sprecher der Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS und Sozialwissenschaftler, Uni Stuttgart (Moderation)

Prof. Dr. Armin Grunwald, Sprecher der Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS und Leiter des ITAS - Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am KIT

 
0 Kommentare

Energiewende: Ein Bericht zum ersten Helmholtz-Energiegespräch

Rund 60 Gäste aus Forschung, Politik und interessierten Bürgern waren zum ersten Termin der Helmholtz-Energiegespräche am 27. Juni 2012 nach Berlin gekommen, zu denen die Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS eingeladen hatte. Die Energiegespräche sind als Plattform für den Austausch konzipiert und sollen in Zukunft auch Zwischenergebnisse und Thesen der an der Allianz beteiligten Forschungsgruppen zur Diskussion stellen. Auf dem Podium diskutierten Vertreter verschiedener, an der Energiewende beteiligten Gruppen, von BUND bis DENA und Bundesumweltministerium. Die Gesprächsreihe soll im nächsten Jahr mit einer Veranstaltung in Brüssel fortgesetzt werden.

Einigkeit bestand über die Grundprämisse: Die Energiewende kann nicht nur technokratisch gesteuert werden, sondern wird nur gelingen, wenn sie durch weite Kreise der Gesellschaft getragen wird. Wie wichtig die Partizipation unterschiedlicher Interessengruppen ist, betonte auch die Politologin Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance, in ihrem Vortrag. Erst dadurch werden Entscheidungen und insbesondere auch Weichenstellungen verlässlich genug, um langfristig zu investieren. Deshalb müsse eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Perspektiven, Interessen und Wissensständen geschlagen werden, eine Aufgabe, für die die Helmholz-Allianz ENERGY-TRANS eine Wissensbasis erarbeiten soll. „Das Energiesystem besteht nicht nur aus Kraftwerken, Leitungen, Steckdosen, es ist kein technisches sondern ein soziotechnisches System, in dem Menschen mitwirken. Diese Perspektive ist in der Helmholtz-Gemeinschaft neu“, sagte Armin Grunwald.

Einigkeit bestand auch darüber, dass das neue System der Energieversorgung deutlich komplexer sein wird, als das alte, denn es gibt mehr Akteure. Das Zusammenwirken von zentralen und dezentralen Energie-Produzenten, von Großerzeugern über Stadtwerke bis hin zu Privathaushalten muss geschickt organisiert werden. Dabei gebe es zurzeit noch kein Gesamtkonzept für die Energiewende, stattdessen würden nun Subsysteme entlang von Partikularinteressen gebaut, gab Michael Weinhold, CTO Siemens Energy, zu bedenken. Als Beispiel dafür nannte Weinhold von Siemens die Solaranlagen, die inzwischen fast 30 Gigawatt Spitzenleistung bringen, die dann einfach in das alte Stromnetz eingespeist würden, das auf eine Spitzenlast von 80 Gigawatt ausgelegt sei. Weinhold wünschte sich dagegen einen systemischen Ansatz für Deutschland und Europa der Aspekte wie Sicherheit und Kosteneffizienz berücksichtige. Stephan Kohler von der Deutschen Energie-Agentur, die jüngst für ihre Netzstudie insbesondere von Umweltgruppen kritisiert wurde, legte hier nach: „Viele behaupten, dezentral sei per se gut und wenn wir unsere Energiesysteme dezentralisieren, bräuchten wir keine Verbundsysteme mehr. Das ist Unsinn. 100.000 kleine PV-Anlagen sind wie ein Großkraftwerk, das beherrscht werden muss.“

Als Vertreter der Verbraucher sagte Holger Krawinkel, dass viele Hausbesitzer sogar ohne Anreizprogramm ihre Häuser dämmen und Interesse am Energiesparen bekunden.  „Der Verbraucher handelt gern, wenn er kann, ist auf der anderen Seite aber auch an den Kosten interessiert.“ Er verglich das Energiesystem mit dem  Gesundheitswesen, das ebenfalls einerseits staatlich gesichert und reguliert werden muss, andererseits Marktelemente enthält. Im Energiesystem fehlen noch Plattformen und Ebenen für die Aushandlung zwischen den unterschiedlichen Interessen.

Als Vertreter des Naturschutzes warf Werner Neumann in die Debatte ein, dass Expertengruppen aus dem BUND zahlreiche konkrete Vorschläge für die Umsetzung der Energiewende erarbeitet hätten, zum Beispiel zum Mietrecht, Energieeinsparung oder zur Dezentralisierung, diese seien bislang von der Politik jedoch kaum aufgegriffen worden.

„Die Politik ist vorangeschritten, wie man es vor einem Jahr nicht für möglich gehalten hätte“ widersprach Staatssekretärin Katharina Reiche. Dabei sei das Energiesystem hochkomplex, denn vier Ebenen müssten miteinander verschränkt werden: die europäische Ebene, die Bundesebene, die Länder und Kommunen. „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist so schnell und erfolgreich, dass wir Probleme im Netz haben, die reden wir uns nicht herbei. Der Netzausbau ist nicht hinterhergekommen.“ Deswegen müssten die zivilgesellschaftlichen Gruppen, die das wollten, nun auch den Netzausbau unterstützen, sagt Katharina Reiche.  Mikrosteuerung sei aber nicht Aufgabe der Politik, sondern es gehe darum einen Rahmen zu setzen, in dem sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure bewegen könnten. Am Ende der Veranstaltung war klar, dass Plattformen für einen konstruktiven Austausch und transparente Verfahren zur Entscheidungsfindung Bestandteil der Energiewende sein müssen.

 

Antonia Rötger

zurück

Kommentare zum Artikel
 
Noch keine Beiträge vorhanden.
Bitte Beitrag eingeben:


Ihr Name*   
Ihre E-Mail*   
Betreff*
Beitrag 

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Antworten als Mail weiterleiten? 
* = Pflichtfelder

 
 

hermann 07-08/2012 als PDF

Die aktuelle Datei zum Download

 

 

11.01.2013
Druck-Version dieser Seite
Perma-Link