Hermann

Aus der Forschung

Nicht wirklich niedlich, aber interessant für die Forschung: der afrikanische Nacktmull. Foto: MDC/Petra Dahl

Nicht wirklich niedlich, aber interessant für die Forschung: der afrikanische Nacktmull. Foto: MDC/Petra Dahl

 
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Das Geheimnis der Nacktmulle

Heterocephalus glaber – so heißt eines der außergewöhnlichsten Lebewesen dieses Planeten. Tief unter den Halbwüsten Ostafrikas lebt er, der Afrikanische Nacktmull, in großen Kolonien mit einer einzigen fruchtbaren Königin. Sein Leben spielt in ewiger Dunkelheit, mit wenig Sauerstoff und viel Kohlendioxid, das in Körpergewebe zu Säure wird. Die großen Zähne, mit denen er sich seinen Weg durch stickige Gänge bahnt, erinnern an Baggerschaufeln. Das faltige, scheinbar haarlose, mausgroße Tierchen gehört zur Gruppe der Nager und somit zu den Säugetieren. Allerdings weist er für einen Säuger untypische Merkmale auf. Der Nacktmull kennt bestimmte Arten von Schmerz nicht, er bekommt keinen Krebs und erfreut sich bis ins hohe Alter bester Gesundheit. Denn anders als sein Artgenosse, die Maus, kann er bis zu 30 Jahre alt werden. 

Warum dieser Nager solch außergewöhnliche Eigenschaften hat, erforscht Prof. Gary R. Lewin vom MDC. Bereits vor einigen Jahren zeigte er zusammen mit Forschern in den USA, dass Säure, die normalerweise schmerzhafte Verätzungen verursacht, Nacktmullen nichts anhaben kann. Für Wirbeltiere ist das einzigartig. Jetzt hat Lewin mit seinem Team den Grund dafür gefunden: Die Nacktmulle haben einen veränderten Ionenkanal in ihren Schmerzrezeptoren, der durch Säure abgeschaltet wird und die Tiere gegen diese Art von Schmerz immun macht. Sogar der Stoff Capsaicin in Chilipfeffer, der auf der Haut brennende Schmerzen auslöst, lässt die Tiere völlig kalt. Die Forscher vermuten, dass die extremen Lebensbedingungen die Tiere im Laufe der Evolution unempfindlicher gemacht haben. Vor kurzem erst haben Forscher aus Korea, China und den USA das Genom der Spezies entschlüsselt und Einblicke in die genetisch bedingten Eigenschaften des Nacktmulls gewonnen. Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft auch der Gesundheit des Menschen nutzen. So wurde zum Beispiel bei einem Nacktmull noch nie eine Tumorerkrankung nachgewiesen. Das könnte helfen zu klären, warum bestimmte Menschen anfälliger für Krebserkrankungen sind und andere nicht. Der Heterocephalus glaber mag ein seltsames, nicht wirklich niedliches Wesen sein. Für die medizinische Forschung jedoch ist er ein Goldstück.

Janine Tychsen

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