Aus der Forschung

Hurrikan Tree in Südschweden: Die auf einer baumförmig umrissenen Fläche wachsenden Kiefern fielen dem Hurrikan Gudrun zum Opfer. Die billigen und schnell wachsenden Kiefern sind den in Folge der Klimaerwärmung stärker werdenden Stürmen weniger gewachsen als Laubbäume, die sich Stürmen gegenüber als widerständiger erwiesen haben. Bild: Joakim Berglund/airpictures.se
Hinweis
Sie können die Studie im Volltext oder auch in einer gekürzten Fassung im Web abrufen:
www.helmholtz.de/studie-vision2050
Interessant ist auch das große Wandposter, das die Aufgaben in zehn verschiedenen Feldern, von Energieversorgung bis zu Werteentwicklung und Governance in den kommenden Dekaden darstellt. Es ist mindestens in zwei Meter Länge auszudrucken und steht hier bereit:
Wandposter Vision 2050 als pdf (mit einem Plotter mit Endlospapier auszudrucken)
Bottom-Up in die Nachhaltigkeitsrevolution
Wie können im Jahr 2050 über neun Milliarden Menschen würdig von den begrenzten Ressourcen des Planeten leben? Und welche Chancen ergeben sich daraus für die Wirtschaft? Sehr gute Chancen, wenn die Wirtschaft sich weitgehend in Richtung Nachhaltigkeit verändert. So etwa lautet verkürzt die Antwort von 29 Unternehmen darunter Größen wie Alcoa, Allianz, Boeing, E.ON, Eskom, Evonik, Procter & Gamble, Philips Electronics, Sony, Toyota, Vattenfall oder Volkswagen. Sie alle sind im World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) organisiert und haben gemeinsam die “Vision 2050 – Die neue Agenda für Unternehmen“ erarbeitet.
Darin fordern sie einerseits Altbekanntes, etwa Bildung und wirtschaftliche Emanzipation, vor allem von Frauen, um umweltschonende Lebens- und Verhaltenweisen entwickeln zu können. Andererseits fordern sie aber auch, externe Kosten endlich in Rechnung zu stellen, zum Beispiel, CO2-Emissionen, Ökosystemdienstleistungen und Wassernutzung. Damit sollen die globalen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 (gegenüber 2005) halbiert werden, etwa durch den Umbau der Energiesysteme, Energieeffizienz und klimaschonende Mobilität. Wälder sollten nachhaltiger bewirtschaftet, die landwirtschaftlichen Erträge bei gleich bleibender Fläche und Wassermenge verdoppelt und Roh- und Werkstoffe vier bis zehn Mal effizienter genutzt werden.
In dieser „Nachhaltigkeitsrevolution“ sehen die am Projekt beteiligten Unternehmen unmittelbar wirtschaftliche Chancen - hauptsächlich in den Schwellenländern. Damit eröffnen sich neuartige Geschäftsfelder, die schätzungsweise zirka drei Prozent des globalen BIPs oder 6,2 Billionen US-Dollar in 2050 (auf Basis des Preisniveaus von 2008) entsprechen.
Die politische Vision dazu liest sich so: „Die globalen Finanzkrisen der zurückliegenden Jahre haben das Vertrauen der Menschen in das herrschende Wirtschaftsmodell erschüttert. In dem vor uns liegenden „turbulenten Jahrzehnt“ (2010-2020) setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Handeln in Richtung Nachhaltigkeit unumgänglich und möglich ist. Der sichtbare Erfolg des grünen Wachstumsmodells in einigen Vorreiterländern leitet ab 2020 in eine Periode der Innovation und des sozialen Wandels. Die Wirtschaft sieht sich dabei durchaus als ein Hauptakteur, lässt sich jedoch eine Ausstiegsoption: Auch Regierungen, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit müssen mitmachen - sonst kann es nicht gelingen. Der Wissenschaft kommt dabei ein hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung zu, denn soziale und technische Innovationen sind ohne wissenschaftliche Unterstützung undenkbar. Ein weiterer Vorbehalt lautet: Nicht alle beteiligten Unternehmen stimmen allen Aussagen des Berichts zu. Eine auf Freiwilligkeit basierende Bottom-Up-Politik hat eben doch klare Grenzen. Dennoch könnte die „Vision 2050“ ein Impuls für Rio+20 werden. Immerhin signalisieren die beteiligten Unternehmen damit ihre Bereitschaft zum Handeln und zeigen damit gegenwärtig deutlich mehr Ambitionen als die internationale Politik.


