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Aus der Forschung

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Größte deutsche Wissenschaftlerbefragung zu Medienkontakten

Der Jülicher Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Hans Peter Peters hat mit seiner Arbeitsgruppe rund 1.600 Wissenschaftler über Häufigkeit, Art und Bewertung ihres Umgangs mit Medien und Journalisten befragt. Die erste Auswertung der bislang größten deutschen Befragung zeigt: Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen ein breiteres Publikum und auch politische Entscheidungsträger erreichen.

Unterschiede zwischen den Disziplinen

Durch die Untersuchung lassen sich die Einstellungen und Erfahrungen von Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen direkt miteinander vergleichen. Sie soll Fragen beantworten, wie: Wie unterscheiden sich die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen in ihrem Verhältnis zu den Medien? Fördert oder schadet Medienpräsenz der wissenschaftlichen Karriere? Und wie stark wird die Forschung selbst durch die Medien beeinflusst?

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Disziplinen fallen in der vorläufigen Auswertung teilweise ziemlich deutlich aus. Über die Hälfte der Geistes- und Sozialwissenschaftler hatte in den letzten drei Jahren mehr als fünf Medienkontakte. Unter den Mathematikern und Naturwissenschaftlern kam dagegen nicht einmal jeder fünfte auf diese Zahl. „Dies liegt zum einen an der unterschiedlichen journalistischen Nachfrage, zum anderen aber auch schlicht an der unterschiedlichen Größe der Fächer. In großen Fächern verteilt sich Medieninteresse auf eine größere Zahl von Wissenschaftlern", meint Peters.

Eigene Erfahrungen meist positiv

Die Beurteilung der Berichterstattung über das eigene Fach sind teils positiv, teils kritisch. „Die allgemeine Darstellung kommt aber häufig schlechter weg als die eigenen, konkreten Erfahrungen“, sagt Hans Peter Peters. Über 60 Prozent bewerten die eigenen Medienkontakte als gut, nur drei Prozent als schlecht. In allen Fächern zeigen sich Wissenschaftler außerdem durchweg daran interessiert, sich mit ihrem Wissen an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen. Fast 80 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Wissenschaftler ihre Expertise nutzen sollten, um politische, wirtschaftliche und andere gesellschaftliche Entscheidungen zu kritisieren oder praktische Handlungsvorschläge zu machen.

Medien wirken auf Wissenschaft ein

Das Bestreben nach Medienaufmerksamkeit zeigt auch Rückwirkungen auf die Wissenschaft selbst: „Aus unseren Daten lässt sich herauslesen, dass es in den verschiedensten Fächern so etwas wie eine Medialisierung der Wissenschaft gibt“, so Hans Peter Peters. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass erwartete positive oder negative "Publicity" schon einmal ihre Entscheidungen im Forschungsprozess oder bei Publikationen beeinflusst hat.

Dialog auf Augenhöhe?

Ein weiteres Ergebnis der Befragung zeigt: Das Verhältnis der Wissenschaftler zu Medien und Öffentlichkeit ist nicht ohne Widersprüche. Über 60 Prozent wollen mit der Öffentlichkeit in einen „Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern“ treten. Allerdings gestehen nur 16 Prozent der Forscher der Öffentlichkeit genug Urteilsvermögen zu, um in der Forschungspolitik mitzureden.

FZJ/arö

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11.01.2013
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