Aus der Forschung

Prof. Jürgen Mlynek (links), Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, und Prof. Andreas Schlüter (2.v.links), Generalsekretär des Stifterverbandes, gratulieren den Preisträgern Prof. Vasilis Ntziachristos (2.v.rechts), Helmholtz Zentrum München, und Prof. Gooitzen Michell van Dam (rechts), University Medical Center Groningen. Bild: Helmholtz/Fesseler
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Krebszellen während der OP detektieren
Bei Krebsoperationen müssen Chirurgen das Krebsgewebe möglichst vollständig entfernen, ohne zu viel gesundes Gewebe wegzuschneiden. Eine schwierige Aufgabe, für die sie bislang nur auf ihre Augen angewiesen waren. Nun haben Forscher des Helmholtz-Zentrums München und des University Medical Center Groningen ein neuartiges Bildgebungsverfahren entwickelt, mit dem selbst kleinste Krebsherde während der Operation aufgespürt werden können.
Für diese interdisziplinäre Leistung haben sie nun auf der Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes – Erwin Schrödinger-Preis 2011 erhalten. Die Wissenschaftler teilen sich den mit 50.000 Euro dotierten Preis.
„Das von uns entwickelte System nutzt fluoreszierende Substanzen, die sich an bestimmte Moleküle binden, die für verschiedene Krebsarten charakteristisch sind“, erklärt Prof. Dr. Vasilis Ntziachristos vom Institut für biologische und medizinische Bildgebung am Helmholtz Zentrum München, der das Verfahren mit Prof. Dr. Gooitzen Michell van Dam vom University Medical Center Groningen entwickelt hat. Vor sieben Jahren begannen die Forscher die Technik zu erarbeiten und zu testen, zunächst im Tiermodell. Die große Herausforderung bestand darin, fluoreszierende Substanzen zu finden, die vom Organismus gut vertragen werden und Krebszellen zuverlässig anzeigen. Ntziachristos entwickelte mit seinem Team eine Fluoreszenzkamera, um die fluoreszierenden Krebsherde zu filmen. Während der Operation wird das Kamerabild auf einen Monitor übertragen. Jeder leuchtende Fleck auf dem Gewebe zeigt noch Krebszellen an. Verglichen mit dem menschlichen Auge, ist diese Technik sehr viel empfindlicher. „Vor allem an der Oberfläche des Gewebes können wir zumindest mehrere zehn oder hundert Krebszellen identifizieren, also sehr kleine Mengen“, sagt Ntziachristos.
Vor zwei Jahren konnten die Wissenschaftler das neue Verfahren erstmals anwenden, ihre erste Patientin war an Eierstockkrebs erkrankt, einer Krebsart, die besonders stark streut. Schon in den nächsten Jahren könnte das Verfahren in die Operationssäle einziehen und Chirurgen dabei unterstützen, Krebs nahezu vollständig zu entfernen.


