Aus der Forschung

Der restaurierte Prospekt der Borgentreicher Orgel und das Labium einer historischen Blei-Pfeife mit Originalbemalung. Bilder: Jörg Kraemer, Borgentreich
Weitere Informationen:
Weltgrößte Springladen-Orgel durch HZDR-Technik restauriert
Die weltgrößte noch existierende Springladen-Orgel konnte nun in Borgentreich/Westfalen nach über fünfjähriger Restaurierung wiedereingeweiht werden. An der Restaurierung waren auch Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf sowie von der TU Bergakademie Freiberg beteiligt. Springladen waren im 17. Jahrhundert die komplexesten „Steuerschränke“ für den Orgelwind.
Der Materialforscher Wolfgang Skorupa vom HZDR, im Privatleben begeisterter Organist und Organologe, hatte schon im Jahr 2006 gemeinsam mit dem Chefrestaurator der Orgelbaufirma, Helmut Werner, die Notwendigkeit für ein Forschungsprojekt erkannt. Um die heute verschüttete Tradition der Herstellung von Orgelpfeifen mit einem Bleianteil von mehr als 95 Prozent neu zu entwickeln, war eine Technologie gefragt, mit der ansonsten Mikrochips optimiert werden. In einem von der Sächsischen Aufbaubank geförderten Projekt konnten die technologischen Grundlagen für die Herstellung der Orgelpfeifen aus hochprozentigen Bleilegierungen erkundet werden. Kernstück war die Wiedereinführung einer Gießbank mit beschleunigter Abkühlung für das flüssige Blei auf Basis einer Lausitzer Granitplatte als schnell wirkender Wärmesenke.
Heute stehen die alten und neugefertigten Pfeifen dunkel glänzend im Prospekt der Borgentreicher Orgel und erfreuen Organisten und Zuhörer mit ihrer satten Tongebung. „Letztendlich aber ist es diese Synergie von modernster Materialwissenschaft und altehrwürdigem, gediegenem Handwerk im Dienst der Musik, die mich begeisterte und auch weitertreibt“, freut sich Skorupa, der bereits ein neues Orgelprojekt konzipiert.
Dabei soll erstmalig eine von ihm und seinen Kollegen entwickelte Nano-Technologie für den Korrosionsschutz solch hochprozentiger Bleilegierungen gegen aggressive Umwelteinflüsse eingesetzt werden. Die Technologie selbst basiert auf der Implantation von schnellen geladenen Teilchen (Ionen), was im Ionenstrahlzentrum des Zentrums möglich ist. Orgelbauer und Organologen aus Europa und den USA haben bereits ihr starkes Interesse bekundet.


