Aus der Forschung

Das Team von Dr. Erika Garutti (5. v. l.): Niklas Hegemann, Maximilian Schmidt, Dr. Alessandro Silenzi, Dr. Martin Goettlich und Chen Xu. Bild: DESY
Detektortechnik für die Krebsdiagnostik
Dr. Erika Garutti leitet seit fünf Jahren eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe am DESY bei Hamburg und entwickelt Detektortechnik für Teilchenbeschleuniger. Für ein neues Vorhaben hat die Hochenergiephysikerin nun EU-Mittel in Höhe von sechs Millionen Euro eingeworben. Gemeinsam mit rund 60 Kollegen aus 13 Ländern entwickelt sie einen miniaturisierten PET-Scanner für die Krebsdiagnostik, insbesondere bei Bauchspeicheldrüsen- oder Prostatakrebs. Dabei soll einer der beiden Detektoren an der Spitze eines Endoskops installiert werden, und in den Körper eingeführt werden, während der andere Detektor von außen die Signale erfassen kann.
Wie sind Sie als Teilchenphysikerin auf die Idee gekommen, sich an einem Projekt in der Gesundheitsforschung zu beteiligen?
Garutti: Wir fragen uns oft, wie man unsere Spitzentechnologie für alltägliche Probleme nutzen kann. Aber witzigerweise gab den Anstoß dazu tatsächlich eine Journalistin, der ich mein Kalorimeter erklärt habe. Das sei ja alles sehr interessant, sagte sie, aber können Sie damit auch ein Leben retten? Das war eine interessante Frage. Ich habe dann darüber nachgedacht, und festgestellt, dass unsere hochempfindlichen Kalorimeter eigentlich die Auflösung von PET-Untersuchungen erheblich verbessern könnten.
Was sind die ersten Schritte, die Sie dafür gehen müssen?
Garutti: Wir wollen unsere Detektortechnik so miniaturisieren, dass sie in ein normales Endoskop hineinpasst. Ein Detektorkopf könnte damit zum Beispiel durch die Speiseröhre in den Körper geführt werden und dicht bis an die Bauchspeicheldrüse heran kommen. Die Empfindlichkeit wäre etwa hundertmal höher als bei Ganzkörper-PET-Scannern, die den Patienten von außen messen.
Was bringt Ihnen für dieses Projekt das neue Kooperationsabkommen PIER zwischen dem Helmholtz-Zentrum DESY und die Universität Hamburg?
Garutti: PIER macht es einfacher, ein solches interdisziplinäres Projekt zu realisieren. Die Detektortechnik entwickeln wir hier am DESY, aber wenn wir zusammen mit Medizinern und Biologen arbeiten, kann eine Menge mehr gemacht werden. Als Teilchenphysikerin habe ich bislang wenig Kontakt zu den medizinischen und biologischen Fakultäten an der Universität. PIER wird mir helfen, Partner und Doktoranden aus anderen Disziplinen zu finden. PIER bietet uns zum Beispiel die Möglichkeit, mit der Uniklinik in Eppendorf zusammen zu arbeiten.
Sehen Sie noch weitere spannende Anwendungen der Detektortechnik?
Garutti: O ja, da gibt es Einige. Mit Photodetektoren aus der Beschleunigerphysik lässt sich zum Beispiel auch ein Gerät entwickeln, um die natürliche Radonstrahlung in Böden und Häusern zu messen. Die Geräte, die dafür auf dem Markt sind, sind entweder recht teuer oder nicht genau genug. Und in manchen Regionen in Süddeutschland und in der Schweiz ist die Radonbelastung der Böden wirklich ein Problem.
Vielen Dank für das Gespräch!


