Hermann

Aus der Forschung

Geothermie-Bohrung im Geothermalfeld Hellisheiði in Südwest-Island während eines Produktionstests im August 2009. Foto: Reinsch, GFZ

Geothermie-Bohrung im Geothermalfeld Hellisheiði in Südwest-Island während eines Produktionstests im August 2009. Foto: Reinsch, GFZ

 
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Ethik-Kommission zum Ausstieg mit Augenmaß

Am 30. Mai hat die „Ethik-Kommission Sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung ihren Abschlussbericht übergeben. Zu den Mitgliedern der eigens berufenen Kommission aus hochrangigen Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zählte Prof. Dr. Reinhard Hüttl, Wissenschaftlicher Vorstand des Helmholtz-Zentrums Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech.

Die Havarie des Reaktors von Fukushima hat drastisch gezeigt, dass das mit dem Wort „Restrisiko“ verbundene Schadenspotenzial der Atomkraft derartig hoch ist, dass es grundsätzlich neu überdacht werden muss. Die von der Bundeskanzlerin eingesetzte „Ethik-Kommission Sichere Energieversorgung“ hat diese Frage sowie die damit im Zusammenhang stehenden Konsequenzen analysiert und Perspektiven vorgeschlagen. Dabei muss über die Kernkraft hinaus die gesamte Energieversorgung unseres Landes neu konzipiert werden. Die Ausgestaltung der zukünftigen Energieversorgung  Deutschlands oder gar Europas ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Ethik-Kommission schlägt dafür ein „Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschland“ vor, mit dem sich die Innovationskraft Deutschlands erneut beweisen kann.

Die Grundsatzentscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland ist nicht erst nach Fukushima, sondern längst davor gefallen. Der Weg dahin ist noch zu bereiten. So ist die Phase des Rückbaus der Kernkraftwerke und der Endlagerung der radioaktiven Reststoffe langwierig und bisher nicht vollständig erforscht. In Deutschland war die Endlagerforschung über zehn Jahre ausgesetzt. Zudem muss auch erforscht werden, ob Technologien entwickelt werden können, mit denen sich die Halbwertszeit hochradioaktiver Stoffe signifikant verringern lässt; denn es ist eine ethische Frage, ob wir künftigen Generationen die Risiken für die Betreuung von Endlagerstätten aufbürden dürfen.

Ich bin zuversichtlich, dass der Umbau möglich ist, wenn wir große Anstrengungen unternehmen, um die Effizienz der Energieumwandlung erheblich zu steigern und alle erneuerbaren Energieressourcen optimal auszubauen. Dabei denke ich nicht nur an Wind, Sonne und Biomasse, sondern auch an die Geothermie, die in Deutschland noch deutlich mehr genutzt werden kann.

Dennoch: Ein rascher Atomausstieg bedeutet bei uns auch die weitere Nutzung fossiler Kraftwerke zur Grundlastsicherung. Hinzu kommt aber vor allem, dass in den aufstrebenden Schwellenländern Kohle noch über Dekaden und in zunehmendem Maß als Energieträger verwendet wird. Die CCS-Technologie könnte eine Zwischenlösung sein, um die Atmosphäre zu entlasten. Das große Ziel in diesem Zusammenhang ist aber das Schließen des Kohlenstoffkreislaufes, konkret der Einsatz von CO2 als Rohstoff.

Im Idealfall kann Deutschland die Technologieführerschaft in den Feldern Energieeffizienz und Erneuerbare Energien ausbauen und so langfristig auch ökonomisch von dieser Energiewende profitieren.

Reinhard Hüttl

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Sehr geehrter Herr Hüttl,
Als Physikerin halte ich den generellen Ausstieg aus der Atomenergieerzeugung für falsch, weil wir uns damit den Weg in die Nutzung der Technologien verbauen, die sicher sind und in der Lage, nahezu beliebige Mengen an Energie zu liefern. Deshalb bedarf es einer klaren Abgrenzung bezüglich der Definition aus welcher TECHNOLOGIE wir aussteigen wollen. Es wäre ein schwerer Fehler das zu unterlassen.
Bezüglich beschleunigter Alterung radioaktiver Substanzen liegen dem Bundesministerium für Forschung Unterlagen vor, um eine Technologie zu unterstützen, die nicht auf Transmutation beruht.
Mit freundlichen Grüßen Jutta Burr
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