Aus der Forschung

Gene befinden sich auf der Erbsubstanz im Zellkern, auf diesem Foto sind die Zellkerne rot angefärbt. Bild: DKFZ
Facebook für Gene
Viele Gene kommen in verschiedenen Menschen in verschiedenen Varianten vor. Um solche Varianten zu entdecken, die das Risiko für eine bestimmte Krankheit erhöhen, vergleichen Wissenschaftler die Gene von Patienten mit denen von gesunden Kontrollpersonen. Doch hängt der Effekt von bestimmten Erbgutvarianten oft davon ab, ob auch andere Gene betroffen sind. Erst das Zusammenwirken von verschiedenen Genen hat Konsequenzen. Die nun von Michael Boutros, Deutsches Krebsforschungszentrum, und Wolfgang Huber, Europäisches Molekularbiologisches Labor, vorgestellte Methode kann diese Kombinationseffekte aufdecken.
Mit der so genannten RNA-Interferenz schalten sie Gene einzeln und in allen paarweisen Kombinationen aus. Indem die Forscher systematisch alle Wechselwirkungen zwischen wichtigen Signalmolekülen katalogisieren, erhalten sie für jedes Gen eine detaillierte Liste von Interaktionspartnern, vergleichbar mit einer “Freundes-Liste” im sozialen Netzwerk “Facebook”.
„Wenn zwei Nutzer von Facebook die gleichen Freunde haben, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die beiden sich kennen – auch dann, wenn sie selbst nicht “Facebook-Freunde” sind“, erklärt Michael Boutros. „Übertragen auf die Situation im Erbgut kann man durch den Vergleich ihrer Wechselwirkungen vorhersagen, welche Gene eine gemeinsame Funktion ausüben.“
Boutros, Huber und ihre Kollegen können nun also “Freunde vorschlagen”, Gene, die sich in ihrer Wirkung beeinflussen. Diese neue Methode könnte dazu beitragen, neue Komponenten krebsrelevanter Signalketten zu finden und damit Ansatzpunkte für neue Krebstherapien ermöglichen.


