Aus der Forschung

Computersimulation eines Parvovirus. Bild: DKFZ
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Krebs durch Viren bekämpfen
Parvoviren können Krebszellen befallen und abtöten, verursachen aber beim Menschen keine Krankheit. Ende Oktober startete in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg eine klinische Studie der Phase I/IIa, die erstmals die Sicherheit der Parvovirus-Therapie erprobt. In Zusammenarbeit mit der Firma Oryx GmbH & Co KG wird das innovative Behandlungsverfahrens bis zur klinischen Anwendung entwickelt.
Am Deutschen Krebsforschungszentrum erforscht Prof. Dr. Jean Rommelaere seit 1992 die krebstötenden Eigenschaften von Parvoviren. Die Viren gehören mit nur 20 Nanometern Durchmesser zu den kleinsten bekannten Viren und vermehren sich ausschließlich in teilenden Zellen. Beim Menschen rufen sie keine ernsthaften Symptome hervor. Sie bauen außerdem ihr Erbgut nicht in das Genom der infizierten Zellen ein, so dass kein Risiko besteht, wachstumsfördernde Gene zu aktivieren.
Für seine Arbeit wählte Rommelaere Viren des Stamms H1. Rommelaere und sein Team erforschten zunächst die zellbiologischen Grundlagen des krebsabtötenden Effekts. Anschließend zeigten sie gemeinsam mit Dr. Karsten Geletneky von der Heidelberger Neurochirurgischen Universitätsklinik, dass sich fortgeschrittene Glioblastome bei Versuchstieren nach einer Behandlung mit Parvoviren vollständig zurückbildeten und die Tiere signifikant länger überlebten als unbehandelte Artgenossen.
„Damit haben wir demonstriert, dass eine Krebsbehandlung mit Parvoviren funktionieren kann. An dieser Stelle wollten wir unbedingt weitermachen, weil wir die große Chance sahen, mit unserer Virustherapie auch Menschen helfen zu können, die am Glioblastom erkrankt sind, einem extrem bösartigen Hirntumor. Um das Projekt aber bis zur klinischen Anwendung weiterentwickeln zu können, waren wir dringend auf einen Partner angewiesen“, sagt Jean Rommelaere. In dieser Phase stieg die Oryx GmbH & Co KG in das Projekt ein. Oryx koordinierte zusammen mit industriellen Partnern die großtechnische Herstellung und die anschließende pharmakologische und toxikologische Prüfung der therapeutischen Viren sowie das Zulassungsverfahren mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Die Zulassung erfolgte schließlich im Sommer dieses Jahres – es ist das erste Mal, dass in Europa Hirntumoren mit Viren behandelt werden dürfen.


