Aus der Forschung

Zehn russische Nachwuchsforscherinnen erhielten den UNESCO-L’Oréal-Förderpreis. Marina Drutskaya (5.v.r.) koordiniert eine Helmholtz-Russia Joint Research Group. Foto: Ignat Solovey, STRF.ru
Helmholtz International
Auf dieser Sonderseite berichten wir mehrfach pro Jahr über Neuigkeiten aus den Helmholtz-Büros in Brüssel, Moskau und Peking. Besonderer Fokus liegt hierbei auf Kooperationen und Partnerschaften der Helmholtz-Gemeinschaften in Russland, China und der EU sowie ausgewählten internationalen forschungspolitischen Nachrichten.
Nachrichten aus dem Büro in Brüssel
„Horizon 2020“ lautet der Titel des nächsten EU-Rahmenprogramm zur Förderung von Forschung und Innovation, das ab 2014 in Kraft tritt und damit das derzeit laufende 7. Forschungsrahmenprogramm (FRP) ablöst. Die Idee von „Horizon 2020“: Mehr Forschungsideen sollen auch tatsächlich ihre Umsetzung auf den Märkten finden. Dafür will die Europäische Kommission während der Programm-Laufzeit von 2014 bis 2020 rund 80 Milliarden Euro in den Bereichen Forschung und Innovation zur Verfügung stellen. Die übergeordneten Themen des Programms sind „Excellent Science“, „Industrial Leadership“ und „Societal Challenges“. Zu den budgetären Gewinnern in „Horizon 2020“ gehören der European Research Council sowie die Sparten Energie und Transport. Neu als Förderbereiche hinzugekommen sind die Biotechnologie, Finanzinstrumente zur Innovationsförderung und der themenoffene Bereich Future and Emerging Technologies (FET). So sieht es der offizielle Vorschlag für das Programm vor, den die Kommission Ende November 2011 veröffentlichte.
Das von der Kommission vorgeschlagene Budget bleibt allerdings weit hinter der Empfehlung des Europäischen Parlaments zurück, für „Horizon 2020“ Ressourcen in Höhe von 100 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen (das hätte einer Verdopplung der 50 Mrd. Euro aus dem 7. FRP entsprochen). Noch ungeklärt ist die Weiterfinanzierung der beiden Großprojekte ITER und GMES.
2012 wird das entscheidende Jahr zur Ausgestaltung von „Horizon 2020“ – zunächst beraten das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union über den Entwurf. Nach einem längeren Diskussionsprozess, der bis zu eineinhalb Jahre dauern kann, soll „Horizon 2020“ verabschiedet werden. Das Brüsseler Büro wird die Diskussionen begleiten und die Anliegen der Helmholtz-Gemeinschaft und ihrer Zentren einbringen.
Die offiziellen Kommissions-Dokumente zu Horizon 2020 stehen unter diesem Link zur Einsicht bereit: www.helmholtz.de/horizon2020-docs
Gemeinsam mit den Zentren hat die Helmholtz-Gemeinschaft ein Positionspapier zu Aspekten der Gesundheitsforschung in Horizon 2020 veröffentlicht. Die Leitfragen: Welche Forschungsthemen sollten in Horizon 2020 betont werden? Worin bestehen aus Helmholtz-Perspektive die drängendsten Fragestellungen der Gesundheitsforschung? Neben den krankheitsorientierten Themen nimmt die Stellungnahme auch Querschnittsthemen und Methoden in den Blick.
ERC-Grants: In der Ausschreibungsrunde 2011 gingen neun ERC-Starting Grants in die Helmholtz-Gemeinschaft – davon fünf in den „Life Sciences“ und vier in der Kategorie „Physical Sciences and Engineering“. Mit diesen neuen Grants werden seit 2007 insgesamt 26 Helmholtz-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Starting Grant gefördert.
Derzeit läuft beim European Research Council eine Ausschreibung zu einem neuen Förderprogramm, den „Synergy Grants“. Das Gesamtbudget umfasst 150 Mio. Euro – noch bis zum 25. Januar können Anträge in dem Programm eingereicht werden. Für Informationen steht das Brüsseler Büro zur Verfügung.
Nachrichten aus dem Büro in Moskau
Zehn russische Nachwuchswissenschaftlerinnen erhalten den internationalen Preis “For Women in Science”
Am 10. November 2011 wurden in Moskau zehn exzellente russische Nachwuchsforscherinnen mit dem UNESCO-L’Oreal Förderpreis in Höhe von 400.000 Rubel (ca. 10.000 Euro) ausgezeichnet. Die Ausschreibung läuft in Russland seit 2007 und wird in Zusammenarbeit mit der Russischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Gefördert werden talentierte Nachwuchswissenschaftlerinnen russischer Forschungseinrichtungen und Universitäten, die an zukunftsrelevanten Forschungsthemen in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin und Biologie arbeiten.2011 wurden zehn von 400 eingereichten Anträgen durch den Vorsitzenden der Auswahlkommission, den Vizerektor der Moskauer Staatlichen Universität Alexey Khokhlov ausgewählt.
Unter den Gewinnerinnen ist Dr. Marina Drutskaya, Forscherin im renommierten Moskauer Engelhardt-Institut für Molekulare Biologie und Koordinatorin auf russischer Seite einer Helmholtz-Russia Joint Research Group (HRJRG). Zusammen mit Partnern aus dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch forscht das Team von Marina Drutskaya an den molekulargenetischen Grundlagen zur Immuntherapie von Krebs.
HRJRG: Gute Bilanz und Blick nach vorn
Eine neue Ausschreibung im Programm Helmholtz-Russia Joint Research Groups (HRJRG) ist für Februar 2012 vorgesehen. Dies beschlossen der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Professor Dr. Jürgen Mlynek und der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rats der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung, Professor Dr. Vladislav Panchenko Ende Oktober in Berlin, nachdem sie sechs neue HRJRGs ausgewählt hatten. Die neue Ausschreibung wird einen thematischen Fokus „Photonen, Ionen, Neutronen“ haben.
Das Programm Helmholtz-Russia Joint Research Groups (HRJRG) wurde 2006 ins Leben gerufen. Seither werden 20 deutsch-russische Forschungsgruppen aus drei Ausschreibungen gefördert. Die sechs neuen Gruppen nehmen ab Januar 2012 ihre Arbeit auf. Das Förderprogramm bietet insbesondere deutschen und und russischen Nachwuchsforschern eine attraktive Karriereperspektive, es stärkt die bilaterale Forschungszusammenarbeit und greift strategisch relevante Forschungsthemen auf.
Helmholtz-Wissenschaftler gewinnen russische Megagrants
Auch in der zweiten Runde des russischen Förderprogramms für führende international anerkannte Wissenschaftler gibt es wieder Gewinner aus den Helmholtz-Zentren: Professor Dr. Friedrich Wagner, Direktor a.D. am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und Alexey Ustinov, Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben das Stipendium der russischen Regierung in Höhe von 150 Mio. Rubel (ca. 3,5 Mio. Euro) erhalten und werden in den kommenden drei Jahren Labors an russischen Partneruniversitäten aufbauen. Insgesamt wurden diesmal 517 Anträge eingereicht, 39 Stipendien werden vergeben.
Professor Friedrich Wagner kommt nach St. Petersburg, um an der dortigen Polytechnischen Universität das Labor „Physics of Advanced Tokamaks“ aufzubauen. Das Wissenschaftlerteam aus rund 80 Mitarbeitern forscht zu theoretischen und experimentellen Fragen zum Plasma-Einschluss in Fusionsanlagen vom Typ Tokamak. Das renommierte Ioffe Institut für Physik und Technologie in St. Petersburg ist an dem Projekt beteiligt.
Alexey Ustinov wird ein Forschungslabor „Supraleitende Metamaterialien“ an der Nationalen Forschungsuniversität für Technologie „MISIS“ aufbauen. Seine Forschung wird parallel in Karlsruhe und Moskau vorangetrieben. Das Engagement der beiden Helmholtz-Forscher wird die Zusammenarbeit der Helmholtz-Zentren mit russischen Universitäten stärken.
Nachrichten aus dem Büro in Peking
Jetzt einladen: CSC finanziert Auslandaufenthalte und Promotionen chinesischer Nachwuchsforscher
Der China Scholarship Council (CSC) unterstützt für die nächsten fünf Jahre rund 2.500 chinesische Doktoranden, die im Ausland promovieren. Außerdem sollen 3.500 Sandwichstudenten und 10.000 Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern, insbesondere Postdoktoranden, gefördert werden, die im Ausland forschen wollen. Dabei werden gute Englischkenntnisse (ILTS 6.5 und TOEFL 95) und exzellente wissenschaftliche Qualität vorausgesetzt.
In den vergangenen fünf Jahren konnten rund 180 chinesische Nachwuchswissenschaftler an Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft arbeiten, was durch ein gemeinsam finanziertes Stipendium des CSC und der Helmholtz-Gemeinschaft ermöglicht wurde, das nun ausgelaufen ist. Dennoch besteht für chinesische Promovierende und Postdoktoranden die Möglichkeit mit einem CSC-Stipendium in Deutschland zu forschen. „Deutschland ist immerhin gleich hinter den USA der Lieblingsstandort chinesischer Wissenschaftler“, erklärt Dr. Hong He, Büroleiter des Helmholtz-Büros in Peking. In 2011 hatten sich über 700 CSC Stipendiaten für Deutschland entschieden, davon planten 540 einen Aufenthalt von vier Jahren für eine Promotion.
Helmholtz-Arbeitsgruppen, die chinesische Nachwuchswissenschaftler gewinnen wollen, sollten nun rasch die Aufgabenstellung zusammenfassen und als Ausschreibung über die Zentren-Administration an Dr. Hong He in Peking weiterleiten. „Wenn aus Helmholtz-Zentren attraktive Forschungsthemen als Angebote an Nachwuchswissenschaftler in China kommen, erreichen wir mittelfristig deutlich mehr Sichtbarkeit und erhöhen das Ansehen der Helmholtz-Zentren als Partner für die Forschung in China“, betont He.
Die chinesischen Studenten brauchen im Vorfeld eine Einladung der gastgebenden Forschungseinrichtung, um in der nächsten Auswahlrunde zu bestehen. Dabei ist Eile geboten: Für ihre Planung brauchen die Studenten die Einladung noch bis Ende des Jahres 2011. „Am besten ist es, gleich zu reagieren, sobald ein Kontakt mit einem interessierten Studenten besteht“, rät He. Denn die begabten jungen Forscher suchen weltweit, um diese für sie einmalige Chance auf ein CSC-Stipendium zu nutzen. Eine Einladung und feste Zusage aus einem renommierten Forschungszentrum ist für jeden Studenten von großer Bedeutung.
Einsendeschluss der Online-Bewerbung um das CSC-Stipendium ist im März 2012, die Studierenden müssen allerdings weit im Vorfeld die Zusage der Gasteinrichtung einholen.
Am aktivsten um CSC-Stipendiaten hat sich bislang das Forschungszentrum Jülich bemüht. Für 2012 hat das Forschungszentrum Jülich bereits 42 Ausschreibungen zusammengestellt und an das Helmholtz Büro Peking weitergeleitet.
Für weitere Information wenden Sie sich an das Helmholtz-Büro in Peking.


