Aus der Forschung

Das Radarbild von TerraSAR-X vom 12. März 2011 zeigt die Region Sendai an der Ostküste Japans nach dem Tsunami. Die blauen Flächen zeigen die Überflutung an, die magentafarbenen Gebiete zerstörte Infrastruktur. Bild: DLR
Ergebnisse der KIT-Arbeitsgruppen als PDFs:
www.helmholtz.de/kit-fukushima-folgen
Editorial in Nature, 471, 31. März 2011: Lessons of the past
Zukunft von Fukushima
Um das Ausmaß und die Folgen des Reaktorunglücks nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Fukushima, Japan, zu beurteilen, hat die Helmholtz-Gemeinschaft in den Tagen nach dem Erdbeben am 11. März sechs Arbeitsgruppen eingerichtet. Unter Federführung des KIT analysieren die Experten die Situation in den betroffenen Reaktorblöcken und berechnen die mögliche Ausbreitung von freigesetzten radioaktiven Partikeln. Zu ihren Aufgaben gehört auch der Vergleich der Sicherheitsvorkehrungen zwischen japanischen und deutschen Siedewasserreaktoren, die jetzt noch einmal neu auf dem Prüfstand stehen.
Die Experten aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, aus dem Forschungszentrum Jülich und aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) arbeiten zurzeit praktisch rund um die Uhr. „Die Lage bleibt so lange kritisch, bis jeder einzelne Reaktorblock wieder einen geschlossenen Kühlkreislauf mit Süßwasser besitzt“, sagt Dr.-Ing. Joachim Knebel, Sprecher des Helmholtz-Programms Nukleare Sicherheitsforschung und Chief Science Officer am KIT. Er geht inzwischen davon aus, dass nur noch ferngesteuerte Roboter, die mit strahlungsresistenter Elektronik und Kameras ausgestattet sind, genauere Informationen über die Schäden im Inneren der Reaktorblöcke, die Orte von Leckagen und das Ausmaß einer möglichen Kernschmelze sammeln können, ohne dass Menschen dabei unnötig radioaktiver Strahlung ausgesetzt werden.
Auch wenn die Kühlkreisläufe wieder funktionieren, bleibt noch viel zu tun: Die Reaktorblöcke müssen mit einer dichten Stahlbeton-Hülle überbaut werden, gleichzeitig aber begehbar bleiben, denn die Kühlung und Abfuhr der Nachzerfallswärme muss noch über Jahre zuverlässig aufrecht erhalten werden. Außerdem ist eine Abdichtung des Kraftwerksgeländes erforderlich, um das Eindringen radioaktiver Partikel in das Grundwasser sowie die Freisetzung von Radioaktivität in den Pazifik zu verhindern.
Auch wenn sich die Reaktorkatastrophe in Fukushima nicht mit der in Tschernobyl vergleichen lässt, muss sich Japan auf langdauernde Aufräumarbeiten einstellen: 25 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl arbeiten dort täglich 3500 Menschen, um die weitere Belastung der Umwelt zu verhindern. Erst im Jahr 2065 rechnen die Planer mit einem vollständigen Rückbau des Reaktors (Quelle: Nature, 471, 31.März 2011, 547).
Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen werden als allgemein verständliche Hintergrund-Informationen im Internet veröffentlicht, sowohl auf der Übersichtsseite der Helmholtz-Gemeinschaft als auch auf der Japan-Seite des KIT.


