Hermann

Aus der Forschung

Sperrgebiete und Kontrollzonen nach dem Tschernobyl-Unfall mit Lage des Untersuchungsgebietes Kreis Korma.

Sperrgebiete und Kontrollzonen nach dem Tschernobyl-Unfall mit Lage des Untersuchungsgebietes "Kreis Korma". Originalquelle: CIA Handbook of International Economic Statistics (1996), hier in bearbeiteter Fassung (CC-BY-SA)

Karte der Sperrzonen in hoher Auflösung

Weitere Informationen:

Die Studie ist in der Schriftreihe "Energie & Umwelt", Band 31, des Forschungszentrums Jülich veröffentlicht und kann abgerufen werden unter

www.helmholtz.de/fzj-kormastudie

 

Hinweis: Auch am Helmholtz-Zentrum München wird Forschung zu den Langzeitfolgen ionisierender Strahlung vorangetrieben. Lesen Sie dazu einen Beitrag über die gesundheitliche Situation von Arbeitern, die in den 1950er Jahren bei Plutoniumproduktion im Südural eingesetzt wurden.

 

 
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Langzeitfolgen radioaktiver Belastung für die Anwohner von Sperrzonen

Aktuell sind vor allem die Arbeiter in Fukushima durch ionisierende Strahlung gefährdet. Dennoch können sie damit rechnen, dass diese Belastung für sie ohne ernste gesundheitliche Folgen bleibt, wenn die Grenzwerte von jetzt 250 Millisievert pro Person über die Zeit wirklich eingehalten werden. Auch für die Anwohner könnten die Folgen weniger dramatisch sein als befürchtet, insbesondere wenn Verhaltensregeln beachtet werden. Dies zeigt eine Langzeitstudie in der Region um Tschernobyl aus dem Forschungszentrum Jülich.

„Wenn Erwachsene die Dosis von 250 Millisievert im Lauf von einigen Wochen erhalten, lassen sich medizinisch überhaupt keine Veränderungen feststellen. Erst wenn Menschen in kurzer Zeit, zum Beispiel an einem Tag, 250 Millisievert ausgesetzt sind, kann sich ihr Blutbild verändern; sie zeigen zwar noch keine Symptome, aber das Krebsrisiko ist leicht erhöht“, sagt Dr. Reinhard Lennartz vom Forschungszentrum Jülich. Konkret: Ohne diese Belastung sterben durchschnittlich 25 von 100 Menschen an der Volkskrankheit Krebs, mit dieser Belastung werden es 2 Todesfälle mehr sein.

Die Menschen in der Region um Fukushima sind deutlich geringeren Dosen ausgesetzt. Mit welchen Langzeitfolgen sie rechnen müssen, lässt sich noch nicht sagen. Doch aus Tschernobyl lässt sich lernen, dass sich die Belastungen möglicherweise sehr unterschiedlich über die Region verteilen und dass selbst in stark kontaminierten Gebieten nach einigen Jahren die Belastung sinkt.

Eine Arbeitsgruppe um Lennartz hat zwischen 1998 und 2007 die Einwohner der weißrussischen Gemeinde Volincy im Kreis Korma mehrmals besucht. Die Gemeinde grenzt an stark kontaminierte Sperrzonen, dennoch müssen die Einwohner von dem leben, was sie auf ihren Feldern anbauen. In ihrem Minibus führten die Jülicher Forscher eine Ganzkörpermessstation mit, um die Belastung der Menschen zu erfassen, außerdem haben sie die von den Einwohnern angebauten Lebensmittel gemessen. Danach sind Gemüse und selbstangebaute Kartoffeln inzwischen unbedenklich, Pilze und Wildfleisch dagegen weiterhin problematisch. Insbesondere jüngere Männer, die oft jagen, waren deutlich stärker belastet. „Wir hoffen, dass wir noch einmal Mittel erhalten, um die Menschen dort zu besuchen. Denn wenn wir nicht mehr kommen, könnten sie glauben, dass keine Gefahr mehr besteht und wieder mehr Pilze und Wild auf den Speiseplan setzen“, sagt Lennartz. Denn Tschernobyl ist für die junge Generation inzwischen Geschichte, die Kontamination im Waldboden dauert jedoch an.

 

 

 

 

arö

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