Aus der Forschung

Im letzten Jahr haben die Wissenschaftler das neue Arsen-Testverfahren in Vietnam und Bangladesch erprobt. Foto: Carola Endes/UFZ
Erwin Schrödinger-Preis 2010
Vor allem in Südostasien sind mehr als 100 Millionen Menschen durch arsenbelastetes Trinkwasser gefährdet. Dabei sind die Arsenbelastungen lokal so unterschiedlich, dass jeder einzelne Brunnen aufwändig durch Experten im Labor getestet werden müsste. Nun haben Professor Dr. Hauke Harms und Dr. Mona C. Wells vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ und Professor Dr. Jan-Roelof van der Meer von der Universität Lausanne ein neues Testverfahren (ARSOlux®) entwickelt, das genau anzeigt, ob und wie stark das Wasser durch Arsen belastet ist. Sie erhalten dafür den Erwin Schrödinger-Preis 2010, der mit 50.000 Euro dotiert ist.
Das ARSOlux®-Verfahren basiert auf Erkenntnissen aus der Mikrobiologie und nutzt gentechnisch veränderte Bakterien als so genannte Bioreporter. Dafür wurden in diese Bakterienstämme „Reportergene“ eingeschleust, die die Zellen zur Produktion von bestimmten leuchtenden Proteinen anregen, wenn sie mit Arsen in Kontakt kommen. Die gentechnisch veränderten Bakterien warten in gefriergetrockneter Form in Teströhrchen auf ihren Einsatz. Werden die Teströhrchen mit einer Wasserprobe gefüllt, dann beginnen die Bakterien mit der Arbeit. Die Teströhrchen können dann in ein handliches Gerät gesteckt werden, das die Helligkeit des Leuchtens misst, die ein Maß für die Arsenkonzentration ist. Das ARSOlux®-Verfahren ist mit rund 1,20 Euro pro Test nicht nur deutlich preiswerter, sondern auch aussagekräftiger als eine chemische Laboranalyse, sagen die Experten. Denn anders als eine rein chemische Analyse zeigen die Bioreporter-Bakterien an, wie stark Organismen den Arsenverbindungen im Wasser ausgesetzt sind. Dabei können sogar Laien das Verfahren fachgerecht anwenden.
In den letzten Jahren haben die Wissenschaftler in Vietnam und Bangladesch das patentierte Verfahren ausgiebig erprobt und mit Unterstützung durch die Ausgründungsförderung Helmholtz-Enterprise-Fonds (HEF) bis zur Marktreife weiterentwickelt. Sie werden nun ein Unternehmen gründen, das ab 2011 die Messgeräte und dazu passenden Testkits produzieren wird. Die Geräte könnten zunächst in mobilen Krankenstationen in Bangladesch eingesetzt werden, die über die Dörfer fahren, aber auch internationale Hilfsorganisationen könnten damit schon beim Brunnenbohren testen, ob das Wasser als Trinkwasser geeignet ist.

