Aus der Forschung

Über Kopfhörer spielt der Neurostimulator bestimmte Stimulationssequenzen ins Ohr des Patienten. Foto: ANM - Adaptive Neuromodulation GmbH
Der Neurostimulator ist inzwischen durch den Lizenzpartner des Forschungszentrums, die Firma ANM Adaptive Neuromodulation GmbH, als Medizinprodukt entwickelt und zugelassen und wird durch diesen vertrieben. Patienten wenden sich direkt an ANM.
Patienten-Hotline:
Tel.: 0221-454 6333, info@anm-medical.com
Weitere Informationen zum Neurostimulator:
Tinnitus mit Tönen lindern
Tinnitus kann quälend sein: Die Ursache der störenden Geräusche sind krankhaft synchron feuernde Nervenzellverbände im Gehirn. Prof. Dr. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich und sein Team haben einen „Neurostimulator“ entwickelt, der bestimmte Stimulationssequenzen ins Ohr des Patienten einspielt, um diese krankhaft synchronen Nervenzellverbände aus dem Takt zu bringen.
Von Juni 2009 bis Juli 2010 behandelten Tass und seine Kollegen insgesamt 61 Patienten mit einem chronisch-tonalen Tinnitus mit dem Neurostimulator. Sie teilten die Probanden dazu in insgesamt fünf Gruppen auf. In vier Gruppen variierten Stimulusdauer und -zahl, die fünfte Gruppe erhielt eine Scheinbehandlung. Zwölf Wochen dauerte die erste Therapiephase, gefolgt von einer vierwöchigen Behandlungspause, um Nachwirkungen zu untersuchen. Danach unterzogen sich alle Studienteilnehmer freiwillig einer sechs Monate langen Weiterbehandlung, der die Stimulation mit den bis dahin besten Ergebnissen zugrunde lag. Den Behandlungserfolg überprüften die Forscher unter anderem anhand der Änderungen der subjektiven Tinnitus-Lautheit und -Belästigung sowie des Tinnitus-Schweregrades und durch Messungen der Hirnströme im EEG.
Bei einer Behandlung von vier bis sechs Stunden pro Tag reduzierte sich die wahrgenommene Tinnitus-Lautstärke bereits nach zwölf Wochen Therapie um 51 Prozent, die subjektive Belästigung nahm um 48 Prozent ab. Diese Effekte blieben auch in der Therapiepause noch statistisch signifikant messbar, schwächten sich aber wieder ab. Ein Zeichen dafür, dass für eine maximale Therapiewirkung eine längere Behandlung nötig ist.
Das bestätigte die angeschlossene freiwillige Weiterbehandlung: Nach dieser wurde der Prozentsatz aller Studienteilnehmer mit dem Tinnitus-Schweregrad „leicht“ im Vergleich zum Studienbeginn mehr als verdoppelt (von 32 auf 69 Prozent), ohne dass dauerhafte Nebenwirkungen auftraten. Die Scheinbehandlung hingegen führte zu keiner Veränderung des Tinnitus. Außerdem konnten die Forscher zeigen, dass der Neurostimulator tatsächlich zu Hirnstromveränderungen führt. Sie sehen darin einen Beleg dafür, dass der Stimulator krankhaft synchron feuernde Nervenzellverbände wieder in einen gesunden Rhythmus zurückführt.


