Aus der Forschung

Die Galapagos-Inseln sind für ihre einmalige Tierwelt, zu der auch der Galapagos-Landleguan zählt, weltberühmt und gerade deshalb ein beliebtes und umstrittenes touristisches Ziel. Foto: André Künzelmann
Weitere Informationen:
www.helmholtz.de/ufz-biodiversitaet-2010
www.helmholtz.de/ufz-biodiversitaetsforschung
Prof. Dr. Christoph Görg ist Sprecher des Departments Umweltpolitik und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig.
Auf dem Weg zu einem Welt-Biodiversitätsrat
Vom 7.-11. Juni 2010 findet in Busan in der Republik Korea eine internationale Konferenz statt, auf der ein wissenschaftliches Beratungsgremium zur biologischen Vielfalt gegründet werden soll. Ein solches „Intergovernmental Panel on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) soll analog zum Weltklimarat IPCC die Forschungen zur Biodiversität weltweit bündeln und für Politik und Öffentlichkeit aufarbeiten.
Am 22. Mai ist zwar der internationale Tag der Biodiversität – doch leider steht das Thema Biodiversität noch immer im Schatten des Klimawandels. Dabei hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich beide globale Umweltprobleme wechselseitig beeinflussen und im Zusammenhang gesehen werden müssen. Zunehmend wird auch anerkannt, dass Biodiversität erheblichen Nutzen mit sich bringt, zum Beispiel für die Nahrungsproduktion und die Bestäubung aber auch in indirekter Form für den Hochwasserschutz, die Erholung und sogar das Klima. Solch vielfältiger Nutzen wird mit dem Konzept der Ökosystemdienstleistungen (Ecosystem Services) erfasst.
Und inzwischen gibt es auch belastbare Studienergebnisse: So wurde von 2001 bis 2005 mit dem Millennium Ecosystem Assessment die erste globale Studie zum Nutzen von Ökosystemdienstleistungen für das menschliche Wohlbefinden durchgeführt. Allerdings haben die Ergebnisse nicht die gewünschte Aufmerksamkeit gefunden. Dieses Manko soll nun der Welt-Biodiversitätsrat, der IPBES, beheben.
Wie ein solches Gremium genau aussehen könnte, wird auf der Konferenz im Juni verhandelt. Da liegen viele Probleme im Detail. Die gegenwärtigen Diskussionen um den Weltklimarat IPCC machen deutlich, dass wissenschaftliche Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit unbedingt gewahrt bleiben müssen, gleichzeitig soll die Relevanz für politische Entscheidungsprozesse deutlich werden. Wie die parallel laufenden Arbeiten am TEEB-Report zeigen, einer am UFZ wissenschaftlich koordinierten Studie zum ökonomischen Wert der Biodiversität, ist es nicht immer einfach, Entscheidungsträger mit wissenschaftlichen Bewertungen zu unterstützen. Für die Forschung stellt sich hier die Aufgabe, die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik wirkungsvoll zu gestalten.


