Aus der Forschung

Bibliographische Angaben
Peters, Hans Peter (Hrsg.): Medienorientierung biomedizinischer Forscher im internationalen Vergleich. Die Schnittstelle von Wissenschaft & Journalismus und ihre politische Relevanz. Schriften des Forschungszentrums Jülich. Reihe Gesundheit/Health 18, 364 S., 2009, ISBN 978-3-89336-597-5
Buchrezension: Wissenschaft, Medien und Politik
Wissenschaftler kommunizieren gern und oft mit Medien und beeinflussen so politische Entscheidungsträger womöglich effektiver als durch ihre Gutachten. Zu diesem Ergebnis kam das Projekt "Integration wissenschaftlicher Expertise in medienvermittelte öffentliche Diskurse – INWEDIS“ von zwölf Wissenschaftlern aus fünf Ländern, das nun gedruckt und online vorliegt. In der Studie wurde die Bedeutung öffentlicher Wissenschaftskommunikation für das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik untersucht - auch im internationalen Vergleich.
Hierfür wurden 1.677 Stammzellforscher und Epidemiologen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA und Japan über ihre Erfahrungen, Erwartungen und Modelle in Bezug auf Journalisten, Medien und Öffentlichkeit befragt. Ferner wurde die Medienberichterstattung über diese Felder hermeneutisch analysiert. Zudem interviewten die Forscher PR-Verantwortliche von 45 Wissenschaftsorganisationen über die PR-Praxis in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Abgerundet wurde die Analyse durch eine Befragung von 40 Entscheidungsträgern und ihrem Umfeld über die Nutzung der Wissenschaftsberichterstattung und ihre Funktion für die politische Arbeit.
Die Studie zeigte, dass die mediale Präsenz von Wissenschaft die politische Meinung mitbildet und das Gewicht wissenschaftlicher Expertise in politischen Entscheidungsprozessen erhöht. Denn im Gegensatz zu wissenschaftlichen Ergebnissen in den Medien werden Gutachten nur von wenigen Entscheidungsträgern gelesen und die Gutachten verschwinden nach dem Lesen in der Schubalde. Da sich die Politik jedoch stark nach Medienmeinungen richtet, bekommt eine öffentlich wahrgenommene wissenschaftliche Erkenntnis ein größeres Gewicht, was gleichzeitig Wissenschaft wiederum auch gesellschaftlich legitimiert. Ein weiteres Ergebnis bezieht sich auf die Qualität der Wissenschaftskommunikation, die ein Faktor im Wettbewerb zwischen den Wissenschaftsorganisationen ist.
Zwei weitere interessante Ergebnisse: Die Berichterstattung über Epidemiologie und Stammzellforschung führt zu differenzierten Bildern – teils legitimieren sie die Autonomie der Wissenschaft (Epidemiologie) und teils legitimieren sie ihre gesellschaftliche Regulation (Stammzellforschung). Und: Medienkontakte haben in Deutschland und international auf organisatorischer wie individueller Ebene einen hohen Stellenwert. Sie werden als Teil von Leitungsrollen wahrgenommen und von leitenden Wissenschaftlern wird erwartet, dass sie für Medienanfragen zur Verfügung stehen. Von den deutschen Wissenschaftlern hatten rund 19 Prozent der Stammzellforscher und 24 Prozent der Epidemiologen in drei Jahren mehr als zehn Kontakte zu den Medien, die meist als positiv und von Nutzen für die Karriere bewertet wurden.
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