Aus der Forschung

Im ALICE-Experiment werden ab Herbst 2010 Blei-Ionen zur Kollision gebracht. Foto: CERN/Mona Schweizer
Prof. Dr. Rolf-Dieter Heuer leitet seit 2009 als Generaldirektor das CERN, von 2004 bis einschließlich 2008 war er Forschungsdirektor am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY, das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört.
Die „Weltmaschine“ läuft!
Am 30. März kollidierten am Large Hadron Collider LHC des CERN in einem unterirdischen, 27 Kilometer langen Tunnel Protonen mit einer Energie von sieben Tera-Elektronenvolt. Das ist nicht nur ein neuer Weltrekord, sondern vor allem der offizielle Beginn des Physikprogramms am LHC. Seitdem kollidieren Protonen in den vier Detektoren ALICE, ATLAS, CMS, LHCb und liefern den fast 9.000 am Projekt beteiligten Wissenschaftlern auf der ganzen Welt die Daten, die sie lange mit Spannung erwartet haben. In den nächsten Jahren werden sie zeigen, ob unsere bisherigen Vorstellungen vom Aufbau und der Funktionsweise des Mikrokosmos und des frühen Universums stimmen oder nicht.
Deutschland – übrigens mit 20 Prozent der größte Beitragszahler zum CERN-Budget – stellt mit über 1.000 Studenten, Postdocs und Professoren auch einen großen Teil der wissenschaftlichen Arbeitskraft am CERN. Die überwältigende Mehrheit dieser Forscher ist Teil der Helmholtz-Allianz “Physics at the Terascale”, die unter Federführung vom DESY die Expertise aus 18 Universitäten, einem Max-Planck-Institut sowie dem Helmholtz-Zentrum KIT bündelt. Physikerinnen und Physiker aus der Helmholtz-Gemeinschaft haben die Experimente am LHC teilweise federführend mit aufgebaut und die Strukturen geschaffen, um die erwartete Datenflut zu kanalisieren und auszuwerten. Am KIT ist mit GridKa eines der größten von insgesamt elf weltweit verteilten Rechenzentren eingerichtet worden, das etwa 14 Prozent aller Daten des LHC speichern und verarbeiten wird. Außerdem sind Wissenschaftler vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung am ALICE-Detektor und seinem wissenschaftlichen Programm beteiligt.
Der LHC wird zunächst bis zu zwei Jahre bei 7 Tera-Elektronenvolt Kollisionsenergie laufen und dann ab 2012 für den Betrieb bei einer Energie von 14 Tera-Elektronenvolt vorbereitet. Hier am CERN stürzen wir uns alle auf die Daten, die schon in der ersten Laufperiode bis 2012 Hinweise auf neue Physik wie zum Beispiel Supersymmetrie oder vielleicht sogar auf das erwartete Higgs-Teilchen geben könnten. In den nächsten Jahren wird der LHC hoffentlich die ersten Einblicke in das dunkle Universum erlauben, von dem wir bisher sehr wenig wissen, außer dass 95 Prozent unseres Universums daraus bestehen. Parallel zur Datennahme und -analyse werden die Helmholtz-Forscher die Entwicklung für LHC-Detektoren der nächsten Generation vorantreiben.


