Hermann

Aus der Forschung

Foto: Franziska Roeder

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Biotop in der Nase

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, können auch harmlose Keime ein Problem werden, zum Beispiel Staphylococcus aureus. Bei fast einem Drittel aller Menschen lebt dieses Bakterium in der Nase, meist ohne Probleme. Breitet es sich jedoch aus, entstehen Hautinfektionen, Muskelerkrankungen oder gar lebensbedrohliche Erkrankungen wie Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben jetzt zusammen mit Medizinern des Universitätsklinikums Münster untersucht, wie andere Bakterien in so einem Fall bei der Bekämpfung von S. aureus helfen könnten. Dazu erforschten sie, welche Bakterien in der Nase vorkommen, und ob es Unterschiede zwischen Trägern von S. aureus gibt und Menschen, die den Keim nicht haben. Dabei fanden sie ein breites Spektrum verschiedener Bakterienarten, darunter auch solche, die vermehrt in Nicht-Trägern vorkommen.

„Es ist nur wenig darüber bekannt, wie komplex die Zusammensetzung von bakteriellen Gemeinschaften auf dem menschlichen Körper ist“, sagt Dietmar Pieper, Leiter der Arbeitsgruppe „Mikrobielle Interaktionen und Prozesse“ am HZI. Um jedoch Infektionen wie beispielsweise S. aureus zu bekämpfen, sei es wichtig zu verstehen, wie die Bakterien miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.

Die Forscher analysierten daher Abstriche aus Nasen von 40 zufällig ausgewählten Personen und konzentrierten sich dabei auf ein bestimmtes Gen, welches in allen bakteriellen Organismen vorkommt und nahezu identisch aufgebaut ist. Nur bestimmte Abschnitte in diesem Gen unterscheiden sich von Art zu Art, so dass die Forscher die Bakterienart bestimmen konnten. Das überraschende Ergebnis: von den vielen verschiedenen Bakterienarten, die in der Nase leben, waren mehrere noch nicht als Partner des Menschen bekannt. Zudem fanden die Wissenschaftler viele Arten, die ganz ohne Sauerstoff leben.

Anschließend analysierten die Forscher, wie sich die Bakterien gegenseitig beeinflussten. Dabei erkannten sie Muster, welche Bakterienarten häufig zusammen auftreten und welche Keime sich ausschließen. „Wenn wir Bakterien der Gattung Finegoldia in der Nase nachweisen konnten, fanden wir keine S. aureus-Bakterien“, sagt Dietmar Pieper. Die Ergebnisse seien wichtig, um zu verstehen, wie Bakterien den menschlichen Körper als Lebensraum besiedeln und sich gegenseitig beeinflussen. Daraus wollen sie in Zukunft Strategien zur Bekämpfung von S. aureus-Infektionen entwickeln.

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11.01.2013
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