Aus der Forschung

Grafische Darstellung des maßgeschneiderten Ionenbeschleunigers am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT). Grafik: GSI
HIT wird vom Universitätsklinikum Heidelberg betrieben, Projektpartner sind die beiden Helmholtz-Zentren DKFZ und GSI sowie das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (Leibniz-Gemeinschaft). Im Rahmen eines Lizenzvertrages des GSI Helmholtzzentrums mit der Siemens AG sind weitere Anlagen nach dem Vorbild von HIT in Marburg und in Kiel bereits im Bau.
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Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum startet
Die Krebstherapie mit Ionenstrahlen wurde in jahrzehntelanger Grundlagenforschung von einem Team um Prof. Dr. Gerhard Kraft am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung entwickelt und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des DKFZ erprobt. In Zukunft kann das jetzt eröffnete Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT bis zu 1.300 Patienten im Jahr behandeln.
Kern des HIT ist eine maßgeschneiderte Beschleunigeranlage mit einem fünf Meter langen Linearbeschleuniger und einem Ringbeschleuniger von 20 Metern Durchmesser, um die Ionen auf bis zu 75 Prozent der Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen. Für die Behandlung werden positiv geladene Kohlenstoff- oder Wasserstoffatome verwendet, die in den Körper eindringen und ihre größte Wirkung tief im Gewebe entfalten. Dort werden sie in einem stecknadelkopfgroßen Bereich vollständig abgebremst, sodass sie ihre Energie exakt im Tumorgewebe platzieren. Das umliegende gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. Damit eignet sich die Krebstherapie mit Ionenstrahlen vor allem für tiefliegende Tumore in der Nähe von Risikoorganen, wie beispielsweise dem Sehnerv oder dem Hirnstamm
„Seit den 1970er Jahren haben wir die Wirkung von Ionenstrahlen an mehr als 100.000 Zellproben systematisch untersucht, immer mit dem Ziel einer optimierten Ionentherapie. Die meisten haben es damals kaum für möglich gehalten, die hervorragenden biologisch-medizinischen Eigenschaften von Ionenstrahlen technisch für die Therapie nutzbar zu machen. Dies war nur möglich durch das Zusammenwirken vieler Disziplinen wie Kern- und Atomphysik, Strahlenbiologie und -medizin, Beschleunigerphysik, Informatik und noch vielen mehr“, sagt Gerhard Kraft, der inzwischen als Helmholtz-Professor im Bereich Biophysik bei GSI seine Arbeiten fortsetzt. Am GSI Therapieplatz wurden seit 1997 rund 440 Patienten mit inoperablen Tumoren vorwiegend an der Schädelbasis mit Kohlenstoff-Ionenstrahlen behandelt. In klinischen Studien wurden dabei Heilungsraten von bis zu 90 Prozent belegt. Die Therapie ist als Heilverfahren anerkannt und wird von den Krankenkassen erstattet.


