Aus der Forschung
Krebsmedikamente aus der Grundlagenforschung
Mit Removab kommt innerhalb kurzer Zeit bereits das dritte Produkt gegen Krebs aus einem Helmholtz-Zentrum auf den Markt. Removab enthält einen Wirkstoff gegen den malignen Aszites, eine Form der Bauchwassersucht, bei der Tumorzellen die Bauchhöhle besiedeln und die Flüssigkeitsregulierung stören. Außerdem kommen der Impfstoff Gardasil gegen Gebärmutterhalskrebs sowie das Brustkrebsmedikament Ixempra aus der Helmholtz-Forschung.
Removab ist ein therapeutischer Antikörper, der am Helmholtz-Zentrum München entwickelt wurde. Beteiligte Wissenschaftler gründeten daraufhin die Firma Trion Pharma und entwickelten zusammen mit Fresenius Biotech den Antikörper bis zur Marktreife. Technologietransferpartner war die Ascenion GmbH. Der Antikörper bindet gleichzeitig an ein Protein, das auf der Oberfläche vieler Krebszellen vorkommt, und lockt zwei unterschiedliche Zellen des körpereigenen Abwehrsystems an: T-Zellen können die Krebszellen direkt zerstören, während Fresszellen das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen stimulieren.
Der Impfstoff Gardasil, den das DKFZ und der Pharmakonzern MSD Sharp & Dohme zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs entwickelt haben, basiert auf der Entdeckung von Harald zur Hausen, dass bestimmte Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Für diese Entdeckung erhielt zur Hausen im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Medizin.
Der dritte Krebswirkstoff ist der am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Bodenbakterien entdeckte Naturstoff Epothilon. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit hat nun das Pharmaunternehmen Bristol-Myers-Squibb mit Ixempra ein Krebsmedikament auf den amerikanischen Markt gebracht, das in der Chemotherapie gegen Brustkrebs eingesetzt wird.
Alle drei Beispiele zeigen, dass breit angelegte Grundlagenforschung zu Innovationen mit großem Marktpotenzial führen kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass es einen langen Atem braucht – in den drei genannten Beispielen sind zum Teil über 20 Jahre seit der Entdeckung vergangen. Die Herausforderung für den Technologietransfer ist, bereits zu einem frühen Zeitpunkt Entdeckungen mit Umsetzungspotenzial zu entdecken, umfassend zu schützen und schnell mit industriellen Partnern in die Entwicklung zu bringen. Das kann als Ausgründung, Industriekooperation oder in gemischter Form geschehen. Nur wenige Erfindungen schaffen es bis zum Produkt, aber wenn es genügend Kandidaten gibt, dann zahlt sich die Investition in Grundlagenforschung auf jeden Fall aus – in Arbeitsplätzen, neuen Technologien und besseren Behandlungsmöglichkeiten.


