Hermann

Aus der Forschung

Eine Senkstofffalle wird zu Wasser gelassen. Mit der Falle werden zum Meeresgrund absinkende Algen aufgefangen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Eine Senkstofffalle wird zu Wasser gelassen. Mit der Falle werden zum Meeresgrund absinkende Algen aufgefangen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Weitere Informationen:

www.awi.de

Interview mit Prof. Dr. Ulrich Bathmann in der aktuellen Technology Review

 

 
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Grünes Licht für LOHAFEX

Nach jahrelanger Vorbereitung waren Anfang Januar 48 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Indien und Deutschland an Bord der Polarstern aufgebrochen, um das LOHAFEX-Experiment im antarktischen Ozean durchzuführen. In einen Ozeanwirbel sollte Eisen eingebracht werden, um eine lokale Algenblüte auszulösen und die Rolle des Eisens im Nahrungsnetz des Ozeans und im Klimasystem untersuchen zu können. Nach einem unerwarteten Stopp für zwei Wochen durfte das Experiment nun wie geplant starten.

Auslöser des Stopps waren Protestbriefe von Umweltorganisationen in der ersten Januarhälfte an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Den Forschern wurde vorgeworfen, internationale Rechtsabkommen zu verletzen und das Ökosystem zu schädigen. Daraufhin holten BMU und BMBF weitere Gutachten unabhängiger Experten ein. Die bescheinigen dem Experiment des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) herausragende wissenschaftliche Bedeutung und bestätigen in vollem Umfang, was die AWI-Experten zuvor selbst gründlich geprüft hatten: Langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem sind nicht zu erwarten. Rechtswissenschaftliche Gutachten machten außerdem deutlich, dass die Durchführung des Experiments in keinem Punkt gegen geltendes Recht verstößt. Darüber hinaus sind sich die Experten einig, dass dieser Versuch wichtige Daten zu den Wechselwirkungen zwischen Bio- und Atmosphäre liefern wird, die die Klimamodellierungen verbessern und zu wirksamen Maßnahmen für den Schutz der Meere beitragen können.

Auf einer Informationsveranstaltung in Berlin, zu dem das Alfred-Wegener-Institut gleich nach den Protesten eingeladen hatte, stellte sich heraus, dass die Hauptsorge der Umweltverbände politischer Natur ist und dem Stichwort „Geoengineering“ gilt. Insbesondere kursieren im Internet Berichte, die den AWI-Forschern unterstellen, mit diesem Experiment die kommerzielle Ozeandüngung zur Regulierung des Weltklimas vorzubereiten. „Das Experiment sei ein falsches Signal“, sagte Stephan Lutter vom WWF. So stünden in den USA und in Australien bereits Firmen in den Startlöchern, die mit Ozeandüngung in den CO2-Zertifikate-Handel einsteigen wollten. Das Alfred-Wegener-Institut spricht sich allerdings deutlich gegen eine großflächige Düngung der Ozeane zur Klimaregulierung aus. So erklärte Prof. Dr. Ulrich Bathmann, Leiter des Fachbereichs Biowissenschaften: „Wir vermuten eher, dass dieser Versuch zeigen wird, dass durch Eisendüngung nur wenig CO2 dauerhaft gebunden werden kann. Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen wird von der entstehenden Biomasse vermutlich 90 Prozent schon an der Oberfläche gefressen, ein weiterer Teil wird beim Herabsinken durch Bakterien zersetzt. Am Ozeanboden kommt schätzungsweise nur ein Prozent an. Damit kann man – selbst wenn man es wollte - keine Carbon Credits verdienen.“

Über die Rückendeckung aus dem BMBF sind nicht nur die AWI-Wissenschaftler erleichtert, sondern auch die indischen Partner vom National Institute of Oceanography, die dieses Experiment zur Hälfte finanzieren. „Es wäre fatal, wenn Grundlagenforschung zu solchen Fragen privaten Interessengruppen überlassen würde“, betont Direktorin Prof. Dr. Karin Lochte.

arö

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