Aus der Forschung

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Aidsviren an der Membran einer Zelle. Bild: Hanswalter Zentgraf/ DKFZ
No-Go-Areas für das HI-Virus
Weltweit sind etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Bislang gibt es keine Therapie um die Krankheit gänzlich zu besiegen. Das Immunschwäche-Virus gehört zur Familie der Retroviren. Diese Form der Viren baut ihre Erbinformation in die DNA der Wirtszelle ein, um sich so zu vermehren. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun herausgefunden, dass das Virus bestimmte Stellen im Erbgut des Menschen ausspart. Diese Erkenntnis könnte bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen AIDS eine große Rolle spielen.
Eigentlich gingen Dr. Stephanie Laufs und Dr. Frank Giordano einer ganz anderen Frage nach, als der, eine mögliche Aids-Therapie zu entdecken. Die Gen-Spezialisten forschten an der Entwicklung sicherer Gentherapien gegen genetisch bedingte Erberkrankungen. Hierfür untersuchten sie, ob sich inaktivierte HI-Viren als Gentransporter eignen und wo sie genau ansetzen.
Denn die Hülle des Virus fungiert bei einer solchen Gentherapie als Trojanisches Pferd, welches gespickt mit gesunder DNA gezielt eine defekte Gensequenz ersetzen soll. So kann die Fähigkeit von HI-Viren in menschliche Zellen einzudringen, sinnvoll genutzt werden. Doch der Einbau des Viruserbguts in die DNA der Zelle kann auch unerwünschte Folgen haben und zum Beispiel Krebsgene aktivieren. Um nun herauszufinden, an welchen Stellen des Genoms der Gentransporter seine Ladung einbaut, haben Laufs und Giordano 46.000 bekannte Integrationsstellen von Gentransportern auf der Basis von HI-Viren analysiert.
Dabei stellten sie fest, dass es bestimmte Bereiche im menschlichen Erbgut gibt, die das Virus meidet, regelrechte „No-Go-Areas“. Die Wissenschaftler vermuten, dass an diesen Stellen etwas sitzt oder fehlt, was mit der so genannten HIV-Integrase interagiert. Auf die ist aber das HI-Virus angewiesen, um seine Erbsubstanz in das Genom der Wirtszelle einzubauen.
Diese Entdeckung ist hochinteressant für die AIDS-Forschung und die Entwicklung von neuen Medikamenten. Denn wenn es gelänge, dieses Enzym gezielt zu hemmen, könnten HI-Viren in den Zellen ihrer Wirte keinen Schaden mehr anrichten.


