Aus der Forschung

Bewässerung ermöglicht die landwirtschaftliche Nutzung auch von Wüsten, wie in Jordanien. Mit dem Klimawandel wird sich hier der Kampf gegen Bodenversalzung und Austrocknung noch verschärfen. Bild: André Künzelmann/ UFZ
Prof. Dr. Reimund Schwarze, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, ist Umweltökonom und nimmt als Beobachter am Klimagipfel in Kopenhagen teil.
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Die Botschaft des Zweigradziels
Während die Weltgemeinschaft in Kopenhagen noch darüber streitet, wie das Zweigradziel erreicht werden kann, ist der Streit in der Wissenschaft entbrannt, ob es ein sinnvolles Steuerungsziel für die Klimapolitik ist. Geboren ist das Zweigradziel jedoch zunächst aus einer sinnvollen Sicht auf das Problem.
Bei einer globalen Temperaturerhöhung von über zwei Grad Celsius treten nach bestem Wissensstand unannehmbare Klimafolgen ein: Meeresspiegelanstieg, Wasserknappheit und der Verlust empfindlicher Ökosysteme. Ist das Zweigradziel deshalb ein gutes Steuerungsziel für die Klimapolitik? Die Geowissenschaften sagen, dass natürliche Faktoren das Ziel einer Klimakonstanz unmöglich machen. Dabei geht es nicht um den häufig zitierten Einfluss der Sonne. Saharastaub, Salzpartikel aus dem Meer und andere natürliche Quellen von Treibhausgasen haben einen weit größeren Einfluss. Nur etwa zwei Drittel des Treibhauseffekts werden durch den Menschen verursacht. Auf diesen menschlichen Beitrag müssen wir uns konzentrieren, denn nur den können wir steuern. Die Steuerung des Kohlendioxideintrags ist deshalb die einzige praktikable Eingriffsmöglichkeit für die Klimapolitik. Die eigentliche Botschaft des Zweigradziels lautet daher: So wenig CO2 wie möglich in die Atmosphäre entlassen.
Was möglich ist, entscheidet die Politik nach Gesichtspunkten der Lastenverteilung. Wer kann, will oder muss welche Lasten aus dem Klimaschutz oder der Klimaanpassung tragen? Was wir brauchen, sind also einerseits in die Zukunft gerichtete Emissions- und Immissionsminderungsziele für Kohlendioxid, die in Kopenhagen verhandelt werden. Und das Zweigradziel wäre dann eine Metapher für eine Welt, die gerade noch produktiv genug ist, um die Menschheit zu ernähren.
Und andererseits müssen wir unser Augenmerk auf Anpassungsmaßnahmen und ihre Kosten lenken. Dazu bedarf es regional differenzierter Klimafolgenmodelle, denn die globale Erwärmung wirkt sich regional äußerst unterschiedlich aus. Und es bedarf regional unterschiedlicher Anpassungsmaßnahmen, die durch die Politik und Bürger in den Regionen entschieden werden müssen. Die Helmholtz-Gemeinschaft will mit der Klimainitiative REKLIM die Erforschung der regionalen Auswirkungen des globalen Klimawandels gebündelt voran bringen. Denn selbst wenn der Klimagipfel in Kopenhagen erfolgreich sein sollte, wird die globale Erwärmung noch eine Weile anhalten - mit weit reichenden Folgen für Mensch und Umwelt.


