Aus der Forschung

Zwischen 1998 und 2007 reisten Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich regelmäßig in den Kreis KOrma in Weißrußland, um die Strahlenbelastung zu messen. Die Ganzkörpermessstation hatten sie dafür in einen Minibus eingebaut. Bild: Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
Die Studie ist in der Schriftreihe "Energie & Umwelt", Band 31, des Forschungszentrums Jülich veröffentlicht und kann abgerufen werden unter:
Strahlenbelastung in kontaminierten Regionen geht zurück
Nach dem Tschernobyl-Reaktorunfall 1986 blieben viele Menschen in ihren Dörfern im Umkreis der Sperrzonen wohnen. Doch welchen Risiken durch Radioaktivität sind diese Menschen ausgesetzt, insbesondere da sie auf Nahrungsmittel aus Eigenanbau und aus dem Wald angewiesen sind? Diese Frage haben Herbert Dederichs, Jürgen Pillath, Burkhard Heuel-Fabianek, Peter Hill, Reinhard Lennartz vom Forschungszentrum Jülich in einer Langzeitstudie im weißrussischen Kreis Korma untersucht, der zu den damals stark kontaminierten Regionen zählt. Zwischen 1998 und 2007 haben sie die Strahlenbelastung der Menschen regelmäßig durch eine mobile Ganzkörpermessstation erfasst, die sie in einen Minibus eingebaut hatten. Dabei erfragten sie auch die Lebensgewohnheiten der Menschen und berieten sie, wie sie ihre Belastung verringern können. Zunächst wurde die Studie durch das Bundesministerium für Umwelt gefördert, in den letzten vier Jahren hat die Walter-Gastreich-Stiftung die Arbeit weiterfinanziert. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass heute keine besondere Gefahr mehr für die Bevölkerung im untersuchten Gebiet besteht, sofern die internen Belastungen weiterhin regelmäßig kontrolliert werden und Wildfleisch und Pilzgerichte weitgehend aus dem Speiseplan gestrichen bleiben. Denn die radioaktive Belastung in den oberen Waldbodenschichten ist nach wie vor hoch, während die Gemüsegärten und Kartoffeläcker inzwischen fast im Normalbereich liegen. Auch in ehemaligen Sperrgebieten ist eine Ansiedlung heute zum Teil wieder denkbar, wenn solche Verhaltensregeln eingehalten werden.
Insbesondere die Beratung der Menschen durch die Jülicher Forscher hat sich positiv ausgewirkt. In Verbindung mit dem natürlichen Rückgang der radioaktiven Belastung liegt die interne Dosis heute nur noch leicht über dem Grenzwert von einem Millisievert pro Jahr, der als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wird. Bis 2011 wird diese Dosis unter 0,2 Millisievert pro Jahr fallen. Zum Vergleich: Flugpersonal darf im Jahr bis zu 20 Millisievert ausgesetzt sein.


