Hermann

Aus der Forschung

Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen. Foto: Deutsches Krebsforschungszentrum

Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen. Foto: Deutsches Krebsforschungszentrum

Zur Hausen wurde 1936 geboren und studierte Medizin. Nach verschiedenen Stationen in den USA und Deutschland als Professor für Virologie war Harald zur Hausen von 1983 bis 2003 Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Unter zur Hausens Führung erweiterte das Krebsforschungszentrum seine Zusammenarbeit mit Universitätskliniken: Die Klinischen Kooperationseinheiten sichern die Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin, um Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Praxis zu übertragen. Harald zur Hausen wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Prince Mahidol Award 2006 oder der Deutsche Krebshilfe Preis 2007. Außerdem wurde er für seine Verdienste mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt.

 

 

 

 

 
0 Kommentare

Nobelpreis für Medizin an Harald zur Hausen

„So besiegt Dr. Hoffnung den tödlichen Krebs“ feierte eine Boulevardzeitung den diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin, Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört. Bei näherer Betrachtung ist dieser Enthusiasmus gerechtfertigt: Zur Hausen erkannte, dass Gebärmutterhalskrebs durch Virusinfektionen ausgelöst wird. Seine Forschung hat es ermöglicht, einen Impfstoff gegen die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zu entwickeln. Zur Hausen erhält die eine Hälfte des Nobelpreises, die andere geht an Françoise Barré-Sinoussi and Luc Montagnier für die Entdeckung des HI-Virus, der die Immunschwächekrankheit AIDS auslöst.

Zur Hausen vermutete bereits vor mehr als dreißig Jahren einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren und Gebärmutterhalskrebs. „In alten medizinischen Dokumenten hatte ich entdeckt, dass  gutartige Genitalwarzen in seltenen Fällen  zu Krebs entarten. Das brachte mich auf den Gedanken, dass die Warzenviren – in der Fachsprache Humane Papillomviren – mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung stehen.“

Diese Viren sind sehr verbreitet und werden durch Geschlechtsverkehr übertragen, fast 80 % der Frauen infizieren sich damit im Lauf ihres Lebens. Meistens bleibt dies ohne schwere Folgen. Bei einigen Frauen jedoch führt eine chronische Vireninfektion zu Gewebeveränderungen, die über mehrere Stufen in Gebärmutterhalskrebs übergehen. Zur Hausens Hypothese stieß zunächst in der Fachwelt auf Widerspruch. Er arbeitete jedoch unbeirrt daran, diese Idee gründlich zu prüfen. Anfang der 1980er Jahre konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe isolieren. Damit war der Beweis gelungen, und in der Krebsforschung begann eine neue Ära. „Uns war schnell klar, dass es möglich sein müsse, einen Impfstoff gegen diese Viren zu entwickeln. Wissenschaftler aus meiner Abteilung, maßgeblich Lutz Gissmann, Matthias Dürst und Jürgen Kleinschmidt, haben zu der heute verfügbaren Vakzine entscheidend beigetragen“, erläutert zur Hausen.

Der Impfstoff, der aus der Grundlagenforschung aus zur Hausens Labor hervorging, ist seit kurzem auch in Deutschland zugelassen und kann vor den vier wichtigsten Virentypen schützen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Inzwischen bezahlen die Krankenkassen die Impfung junger Mädchen. Die Entwicklung dieses Impfstoffs ist ein herausragendes Beispiel für erfolgreichen Technologietransfer aus der Grundlagenforschung, den zur Hausen immer mit großem Einsatz gefördert hat.  „Wir haben noch genügend Herausforderungen vor uns. Der Impfstoff ist heute deutlich zu teuer, gerade für die Entwicklungsländer, die ihn am dringendsten benötigen. Mit neuen molekularbiologischen Techniken kann man möglicherweise eine günstigere Vakzine produzieren. Außerdem sollte der Impfschutz auf alle Hochrisikotypen des HPV ausgedehnt werden.“
 

zurück

Kommentare zum Artikel
 
Noch keine Beiträge vorhanden.
Bitte Beitrag eingeben:


Ihr Name*   
Ihre E-Mail*   
Betreff*
Beitrag 

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Antworten als Mail weiterleiten? 
* = Pflichtfelder

 
 

hermann 10/2008 als PDF

Die aktuelle Datei zum Download

 

 

11.01.2013
Druck-Version dieser Seite
Perma-Link