Aus der Forschung

Über die Frage, wie die Erkenntnisse zur Prävention zum Nutzen der Patienten schneller als bisher umgesetzt werden können, diskutierten Marion Caspers-Merk, Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Peter Lange, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Bernhard Egger, AOK-Bundesverband, Prof. Karl Max Einhäupl, Charité - Universitätsmedizin Berlin, und Dr. Jürgen Schwiezer, Roche Diagnostics. Foto: Helmholtz/Jung-Wolff
Helmholtz-Forum Gesundheit
Vorbeugung und Früherkennung können nicht nur Leid verhindern, sondern tragen auch dazu bei, dass die Kosten der Gesundheitsversorgung nicht weiter explodieren. Daher waren mehr als hundert geladene Gäste aus Forschung, Politik, forschenden Pharmaunternehmen und Krankenkassen in díe historische Hörsaalruine an der Berliner Charité gekommen, um sich beim ersten Helmholtz-Forum Gesundheit über neue Ansätze der Präventionsforschung zu informieren und zu diskutieren, wie Forschungsergebnisse in Anwendungen einfließen können. Eingeladen hatten die fünf Gesundheitszentren der Helmholtz-Gemeinschaft in Kooperation mit ZEIT WISSEN.
Doch wie erkennt man, wer der Patient von morgen ist und warum ein Mensch krank wird? Prof. Dr. H.-Erich Wichmann vom Helmholtz Zentrum München stellte das Konzept für die nun startende „Helmholtz-Kohorte“ vor, in der 200.000 gesunde Teilnehmer über 20 Jahre untersucht und begleitet werden. Aus der Kohortenforschung wird Aufschluss über genetische und umweltbedingte Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten erwartet.
Über neue Ansätze für die Diagnose von Demenzerkrankungen und anderen Fehlfunktionen des Gehirns, berichtete Prof. Dr. Karl Zilles vom Forschungszentrum Jülich. Mit Hilfe eines weltweit einzigartigen Geräts, das zwei bildgebende Verfahren kombiniert, wollen die Forscher Prozesse im normal alternden Gehirn entschlüsseln und mit den Vorgängen im erkrankten Organ vergleichen.
Manche Erreger siedeln sich mit Vorliebe auf medizinischen Geräten oder Prothesen an und schließen sich dort zu nahezu unangreifbaren Biofilmen zusammen. Die Folge sind gefährliche Infektionen. Dr. Susanne Häußler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung untersucht, wie diese bakteriellen Gemeinschaften entstehen und wie man sie blockieren kann.
Bestimmte Typen des Humanen Papillomvirus können Gebärmutterhalskrebs verursachen. Für diese grundlegende Entdeckung wird Prof. Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Prof. Dr. Lutz Gissmann, ebenfalls vom DKFZ, berichtete über diese Forschung, die zur uEntwicklung eines Impfstoffs gegen Gebärmutterhalskrebs führte, an der Gissmann maßgeblich beteiligt war.
Ein neu entwickelter Gentest kann bestimmten Patienten das Leben retten, stellte Prof. Dr. Ludwig Thierfelder vom Max-Delbrück-Centrum fest. Denn ein genetischer Defekt lässt bei ihnen aus Herzmuskelzellen Fett- oder Bindegewebe entstehen, der schleichende Prozess führt im schlimmsten Fall zum Herzstillstand. Wird der Defekt frühzeitig identifiziert, kann die Erkrankung möglicherweise verhindert werden. In besonders schweren Fällen muss ein Defibrillator in die Nähe des Herzens implantiert werden, der bei Herzrhythmusstörungen das Organ in den richtigen Takt bringt. In diesem Fall ist das Forschungsergebnis direkt für den Patienten nützlich, meistens aber dauert der Weg aus dem Labor in die Praxis viele Jahre.


