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Aus der Forschung

Die Teltower Forscher untersuchen auch gewebeverträgliche Materialien, die als dreidimensionale Matrix für den Aufbau von Zellverbänden dienen. Abgebildet sind Mikrokugeln, an denen sich (grün...

Die Teltower Forscher untersuchen auch gewebeverträgliche Materialien, die als dreidimensionale Matrix für den Aufbau von Zellverbänden dienen. Abgebildet sind Mikrokugeln, an denen sich (grün fluoreszierend) Bindegewebszellen anlagern. Bild: GKSS

 
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Tor zur klinischen Anwendung

Die Bruchflächen eines Knochens können wieder zusammen wachsen und eine mechanisch belastbare Struktur ausbilden. Aber lässt sich eine vergleichbare Regenerationsfähigkeit auch bei anderen Organen stimulieren? Kann die Funktion von Hirnarealen nach Verletzung, Schlaganfall oder degenerativer Erkrankung wieder hergestellt werden? Wie kann der Herzmuskel nach einem Infarkt zur Regeneration angeregt werden? Welche Eigenschaften müssen Biomaterialien haben, damit sie die Regeneration von Geweben stimulieren? Mit diesen Fragen beschäftigen sich in der Region Berlin-Brandenburg zahlreiche Forschungsinstitute, Forschungskliniken und Biotechnologiefirmen. Ihre Aktivitäten zu bündeln, war das Ziel einer gemeinsamen Initiative von Charité, Universitätsmedizin Berlin und Helmholtz-Gemeinschaft, die im Herbst 2006 zur Gründung des Berlin-Brandenburg Center for Regenerative Therapies (BCRT) führte.

Die Forschungsaufgaben des Zentrums liegen in der Grundlagenforschung, dem Bioengineering und den Translationalen Technologien, die in vier klinische Feldern Anwendung finden: dem Immunsystem, dem kardiovaskulären und, muskuloskeletalen System sowie dem Nervensystem. Im Gebäude des BCRT auf dem Rudolf-Virchow-Campus der Charité werden 23 neue Forschergruppen angesiedelt, darunter auch vier Arbeitsgruppen des Teltower Instituts für Polymerforschung aus dem GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.

Um die Entwicklung von Materialien, neuen Produktideen und aussichtsreichen klinischen Anwendungen von Anfang an aufeinander abzustimmen, wollen die Biomaterialforscher aus Teltow eng mit Partnern aus Klinik und Industrie zusammen arbeiten. Deshalb hat sich Professor Dr. Andreas Lendlein, Leiter des Instituts für Polymerforschung sehr für die Netzwerkbildung eingesetzt. Für das neue Zentrum für regenerative Medizin koordiniert er den Querschnittsbereich Bioengineering und ist als Vize-Direktor Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums. Im BCRT sieht Lendlein für die Forschung aus seinem Institut „ein wichtiges Eingangstor zur Klinik“.

Die Polymerforscher aus Teltow entwickeln bioverträgliche Materialien, die für verschiedenartige Anwendungen unterschiedliche, programmierbare Funktionalitäten mitbringen müssen. So entstand in ihrem Labor chirurgisches Nahtmaterial aus einem Kunststoff mit Formgedächtnis – Fäden, die in der Zugkraft den Erfordernissen des Gewebes angepasst werden können. Auch für Implantate sind Stoffe mit Formgedächtnis interessant. Sie könnten komprimiert in den Körper eingebracht werden, um vor Ort ihre vorgesehene Gestalt anzunehmen. Die Teltower Forscher untersuchen auch gewebeverträgliche Materialien, die als dreidimensionale Matrix für den Aufbau von Zellverbänden dienen. Die Oberflächen dieser Kunststoffe sollen optimale Bedingungen für Besiedlung mit Zellen bieten und die Freisetzung von Wirkstoffen ermöglichen. Solche Strukturen können auch dazu verwendet werden, um die Regeneration von Gewebe im Körper des Patienten selbst anzuregen und so einen Heilungsprozess in Gang zu bringen. Dabei soll der gerüstbildende Kunststoff, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat, im Körper abgebaut werden. Mit der Gründung des BCRT werden Patienten schneller als bisher von solchen neuen Entwicklungen aus den Laboren der Forschung profitieren können.

Helmuth Prokoph

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11.01.2013
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