Hermann

Aus der Forschung

Mit der intensiven Synchrotronstrahlung konnte das Expertenteam sehr geringe Mengen an Quecksilber und Antimon aus den unteren Farbschichten messen. Foto: Manfred Schulze-Alex

Mit der intensiven Synchrotronstrahlung konnte das Expertenteam sehr geringe Mengen an Quecksilber und Antimon aus den unteren Farbschichten messen. Foto: Manfred Schulze-Alex

 
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Verstecktes Van Gogh-Gemälde freigelegt

Van Goghs Gemälde sind faszinierend – umso mehr, wenn unter der Oberfläche eines Meisterwerkes ein zweites schlummert. Bei HASYLAB hat ein belgisch-niederländisches Expertenteam einen versteckten Van Gogh sichtbar gemacht. Joris Dik, Uni Delft, Koen Janssens, Uni Antwerpen, und Restauratorin Luuk Rutgers van der Loeff vom Kröller-Müller Museum in Otterlo waren begeistert, keine bloße Skizze, sondern ein echtes Gemälde zu rekonstruieren – das Porträt einer Landfrau.

Bei Voruntersuchungen waren unter der Oberfläche des Bildes „Grasgrond“ bereits Konturen eines Kopfes entdeckt worden. Zur klaren Identifizierung reiste das Bild nach Hamburg. Aufwendig wurden die Messungen an DORIS vorbereitet: Versicherungsschutz, Spezialtransport und eine Klimatisierung von 55 Prozent Luftfeuchte bei 24° Celsius waren ein Muss. Wolfgang Drube, DORIS-Koordinator, und Karen Rickers, verantwortliche Wissenschaftlerin, sorgten für den reibungslosen Ablauf des Experiments. Zum ersten Mal wurde ein solches Gemälde mit der Mikro-Fluoreszenzanalyse sichtbar gemacht. Sogenannte Punktmessungen rastern das Bild, ohne es zu beschädigen, Punkt für Punkt ab. So wurden Art und Menge verschiedener Elemente analysiert, wodurch die Verteilung der Pigmente sichtbar wurde. Zwei Elemente spielten dabei eine große Rolle: Antimon und Quecksilber. Obwohl nur in geringer Konzentration messbar, enthüllt die intensive Fluoreszenzlinie des Antimons die hellen Stellen von Nase oder Kinn. Quecksilberhaltiges Pigment wurde für die rötlichen Lippen und Wangen verwendet. Die chemische Zusammensetzung der Pigmente haben die Experten mit Hilfe der Absorptionsspektroskopie untersucht. Sie identifizierten ein für Van Gogh typisches Pigment: Neapelgelb (Bleiantimonat). Bei der Quecksilberverbindung handelt es sich um Zinnoberrot bzw. Quecksilbersulfid. Diese Analysen führten zu einer detaillierten, farbigen Rekonstruktion des unterliegenden Bildes. Das Porträt der Landfrau entstand in Van Goghs früher Schaffensphase in Nuenen zwischen 1884 und 1885. Aus Briefen weiß man, dass er einige dieser Köpfe seinem Bruder Theo geschickt hat, der Kunsthändler in Paris war. Als der Künstler ein Jahr später nach Paris kam, könnte Van Gogh es als so altmodisch empfunden haben, dass er es übermalt hat, so der Schluss der Experten.

Sandra Hesping

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11.01.2013
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