Aus der Forschung

Mindestens ein Mützchen muss sein, das wissen heute alle Eltern. Foto: B. Dannenberg
Kinder besonders vor UV-Strahlen schützen
Urlaub heißt es für viele: ab in die Sonne. Prof. Dr. Friederike Eckardt-Schupp vom Helmholtz-Zentrum München klärt über die Risiken auf. In der Arbeitsgruppe „DNA Reparatur“ am Institut für Strahlenbiologie untersucht sie Mechanismen, mit denen Schäden in der DNA, dem Träger der Erbinformation, repariert werden. Das Gespräch führte Dr. Helmuth Prokoph.
H.P.: Viele Menschen arbeiten heute in geschlossenen Räumen und sehnen sich deshalb nach ein bisschen Sonne auf der Haut.
F.E-S.: Die brauchen wir auch zum Wohlfühlen und für die Synthese von Cholecalciferol, dem sogenannten Vitamin D3, das u.a. für den Knochenaufbau essentiell ist. Für eine ausreichende Versorgung mit D3 genügen allerdings schon 15 bis 20 Minuten Bestrahlung von Gesicht und Händen bei normalem Tageslicht. Wie viel Sonne man darüber hinaus haben möchte, sollte man abwägen. Hautkrebs ist weitgehend vermeidbar, wenn man sich entsprechend verhält.
H.P.: Wie wirkt Sonnenstrahlung auf die Haut?
F.E-S.: Unter UV-Einwirkung werden charakteristische Pyrimidin-Dimere gebildet, die vergleichbar mit einem Fingerabdruck, einen eindeutigen Hinweis auf den Verursacher, also die UV-Strahlen geben. Wenn Pyrimidin-Dimere fehlerhaft repariert werden, kommt es zu Mutationen, das heißt zu Veränderungen in der Erbinformation.
H.P.: Und was können die Folgen sein, über einen Sonnenbrand hinaus?
F.E-S.: Zu den dramatischen Folgen gehört Hautkrebs, genauer gesagt handelt es sich um drei Typen von Hautkrebs, die unterschiedlich häufig auftreten. Das Melanom mit circa 5 % Anteil neigt früh zum Metastasieren, deshalb ist rechtzeitige Behandlung besonders wichtig. Einen Anteil von etwa 20 % hat das ebenfalls sehr aggressive Plattenepithelkarzinom. Es tritt vor allem bei Menschen mit hoher Sonnenexposition auf. Am häufigsten und vor allem bei älteren, inzwischen leider auch bei jüngeren Menschen kommt das langsam wachsende und selten metastasierende Basalzellkarzinom vor.
H.P.: Sie engagieren sich besonders, um Kinder und Jugendliche über die Risiken des Sonnenbadens zu informieren.
F.E-S.: Es ist nachgewiesen, dass Kinder, die besonders stark und lange der Sonne ausgesetzt sind, ein höheres Risiko für Hautkrebs tragen. Deshalb nutze ich viele Gelegenheiten, um altersgerecht über einen vorsichtigen Umgang mit der Sonne zu informieren. Dazu gehören Besuche im Kindergarten des Helmholtz-Zentrums, Vorträge vor Jugendlichen oder Beiträge für die Spielstadt Mini-München, die es jedes Jahr in den Sommerferien hier in München gibt.
H.P.: Was sollten Eltern beachten, um Kinder beim Spiel im Freien zu schützen?
F.E-S.: Besonders gefährdet sind Kleinkinder und hellhäutige Kinder mit rötlichem oder blondem Haar und vielen Sommersprossen. Sie sollten nicht länger als 5 bis 10 Minuten ungeschützt der Mittagssonne ausgesetzt sein. Allgemein helfen ein Hütchen und leichte Kleidung mit ausreichender UV-Schutz-Wirkung, um besonders die sogenannten Sonnenterassen, wie Nase, Ohren, Nacken, Schultern, Po, zu bedecken. Kinder sollten zum Schutz der Augen an das Tragen von Sonnenbrillen gewöhnt werden. Vor allem beim Aufenthalt an großen Wasserflächen, die ja das Sonnenlicht reflektieren, sind gut abschirmende Sonnenbrillen wichtig.
H.P.: Worauf kommt es bei Sonnencremes an?
F.E-S.: Der Lichtschutzfaktor des Präparats muss der Sonnenintensität angepasst sein. Dabei geht man vom UV-Index aus. Das ist ein Maß für die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung mit einer Werteskala von 0 bis 12. Auf den Internetseiten des Bundesamtes für Strahlenschutz findet man aktuelle Messwerte und Prognosen für alle Regionen Deutschlands. Man sollte eine Sonnencreme wählen, deren Lichtschutzfaktor mindestens doppelt so groß ist, wie der aktuelle UV-Index. Und dann heißt es regelmäßig und sorgfältig eincremen, damit keine Stellen vergessen werden. Für Kinder gibt es farbige Cremes, die das erleichtern.
H.P.: Sie sind Mitglied der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung, die sich jetzt verstärkt auch mit einer anderen Quelle gefährlicher UV-Strahlen befasst.
F.E-S.: Uns liegt sehr daran, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die von UV-Strahlung in den Solarien ausgeht. Hier wird eine Gefahr unterschätzt. Solarien werben damit, dass sie nur mit UV-A arbeiten. Aber diese Strahlung hat auch das Potential, die Erbinformation zu schädigen, wenn auch über einen anderen Mechanismus. Außerdem entstehen vermehrt Sauerstoffradikale. Beide Prozesse können zu Brüchen und Basenschäden in der DNA führen. Weil diese Gefahren so real sind, arbeitet die Strahlenschutzkommission der Bundesregierung an einer Empfehlung, Jugendliche unter 18 Jahren von der Nutzung von Solarien auszuschließen.


