Aus der Forschung

Die Stadt Lhoknga an der Westküste von Indonesien wurde durch den Tsunami am 26.12.2004 vollständig zerstört, zeigt die Aufnahme des Ikonos-Satelliten. Foto: NASA
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Das Tsunami-Frühwarnsystem funktioniert bereits
Drei Jahre nach dem tödlichen Tsunami vor der Küste Indonesiens hat das Tsunami-Frühwarnsystem mehrere wichtige technische Hürden gemeistert: Erdbeben werden präzise erfasst und durch das dafür maßgeschneiderte Computerprogramm SeisComP3 automatisch ausgewertet, die Übertragung der Druckdaten vom Ozeanboden an das Warnzentrum funktioniert. Ende 2008 kann das System in Betrieb genommen werden.
Der Tsunami vor Indonesien am 26.12.2004 kostete nahezu einer Viertelmillion Menschen das Leben. Bei rechtzeitiger Warnung hätten sich viele Menschen noch in Sicherheit bringen können. Diese Erkenntnis ließ Wissenschaftlern keine Ruhe: Nur drei Wochen nach dieser Katastrophe legte eine Arbeitsgruppe unter Führung des GeoForschungsZentrums in Potsdam der Bundesregierung ein Konzept für ein „German Indonesian Early Warning System for the Indian Ocean“, kurz GITEWS, vor. Das Frühwarnsystem besteht aus einem Netz von Instrumenten an Land, auf dem Grund des Ozeans und an der Meeresoberfläche. An GITEWS beteiligen sich vier Helmholtz-Zentren, neben dem GFZ Potsdam das Alfred-Wegener-Institut, DLR und GKSS. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert das Projekt mit 45 Millionen Euro.
Über 90% aller Tsunamis entstehen durch untermeerische Erdbeben. Das Katastrophenbeben vom Dezember 2004 war mit der Magnitude 9,3 der zweitstärkste bisher gemessene Bruch in der Erdkruste. Mit dem installierten Seismometernetz und dem vom GFZ entwickelten Softwaresystem SeisComP3 ist es nun zum ersten Mal möglich, auch starke Beben schnell und zuverlässig zu registrieren und auszuwerten. Die erste Bewährungsprobe hat das System bereits bestanden: Am 12. September 2007 hat es ein Beben vor Südsumatra innerhalb von vier Minuten korrekt bestimmt, worauf der indonesische Erdbebendienst eine Tsunamiwarnung herausgab.
Nicht jedes unterseeische Erdbeben erzeugt jedoch einen Tsunami. Daher sind auch Messungen am Meeresboden und auf der Meeresoberfläche notwendig, um gegebenenfalls eine Entwarnung zu generieren. Unterwassereinheiten messen den Wasserdruck am Meeresboden und senden ihre Daten an Bojensysteme, von wo aus sie an das Warnzentrum weitergeleitet werden. Und alle Sensordaten laufen im Herzstück von GITEWS zusammen, dem Warnzentrum, das zurzeit in Indonesien aufgebaut wird. Hier werden die Daten analysiert und mit Modellrechnungen verglichen, hier entscheiden Experten darüber, wie die Situation einzuschätzen ist. „Wenn keine außergewöhnlichen Ereignisse eintreten, kann das Frühwarnsystem bis Ende 2008 technisch aufgebaut werden“, sagt Projektkoordinator Dr. Jörn Lauterjung vom GFZ.


