Aus der Forschung

Bild: Deutscher Bundestag / Lichtblick/Achim Melde
Testen Sie Ihr Wissen an Mullers Fragen, vielleicht erleben Sie eine Überraschung:
Mehr Informationen und Webcasts der Vorlesung:
www.helmholtz.de/richard-muller
Physik für Entscheider
Was sollte der neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten unbedingt über Physik wissen? Diese Frage stellt der Physikprofessor Richard A. Muller von der Universität im Rahmen einer Vorlesung an der University of California, Berkeley, die seit Jahren auf riesiges Interesse bei den Studierenden stößt. Die Antworten darauf hat er nun in seinem Buch „Physics for future presidents“ veröffentlicht.
In fünf Kapiteln handelt Muller die politisch „heißesten“ Themen ab, vom Terrorismus über Energie, Nuklearwaffen, Raumfahrt bis zum Klimawandel. Dabei führt er in die Kunst der wissensgestützten Einschätzung von Risiken ein, und das ist auch für Naturwissenschaftler durchaus lehrreich.
Gerade im Katastrophenfall hilft es, wenn einige „Eckpfeiler“ bekannt sind, schon allein, um den Beratern und Experten die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel, wenn eine “Schmutzige Bombe” detoniert, die durch eine nicht-nukleare Explosion radioaktives Material über eine große Fläche verteilt. Vermutlich wären sowohl die materiellen als auch die gesundheitlichen Schäden durch das versprengte radioaktive Material eher klein. „Die größte Gefahr einer solchen Waffe ist Panik in der Bevölkerung“, sagt Muller. Um die Ressourcen im Fall einer Katastrophe richtig zu verteilen, muss man jedoch wissen, wo die eigentlichen Risiken liegen, betont er.
Muller gehörte selbst viele Jahre lang einem Kreis von Wissenschaftsberatern an, die für das Pentagon neue technische und wissenschaftliche Entwicklungen bewerteten. „Diese Arbeit hat mich gelehrt, den Experten nicht gleich zu glauben, sondern immer nachzufragen und auch wirklich dumme Fragen zu stellen“, sagt er. Aber Wissenschaftsberater hätten in den letzten Jahren an Einfluss auf die amerikanische Politik verloren, meint Muller, vielleicht auch, weil sie vor allem als Lobbyisten für mehr öffentliche Fördergelder für die Wissenschaft wahrgenommen wurden. Ein guter Wissenschaftsberater des Präsidenten würde gar nicht im eigentlichen Sinn beraten, sondern eher als eine Art Frühwarnsystem fungieren und den Präsidenten auf neue Entwicklungen vorbereiten.


