Aus der Forschung
Arktische Eisdecke im Sommertief
Im September 2008 waren etwa 4,5 Millionen Quadratkilometer der Arktis mit Eis bedeckt. Im Jahr davor waren es sogar nur 4,1 Millionen Quadratkilometer gewesen. Das langjährige Mittel (1979 – 2004) liegt dagegen zwischen 6 und 7,5 Millionen Quadratkilometer. Diese Entwicklung stimmt jedoch recht gut mit der Vorhersage aus einer Modellrechnung vom Frühsommer aus dem Alfred-Wegener-Institut überein.
„Betrachtet man die Meereisbedeckung seit Beginn der Satellitenaufnahmen im Jahr 1979, ist der niedrige Messwert von 2008 dennoch eine kleine Überraschung, weil auf Sommer mit geringer Eisbedeckung wie 2007 häufig Winter mit starker Eisproduktion folgen“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Gerdes, physikalischer Ozeanograph am AWI. Ob zwei Sommer mit extrem wenig Eisbedeckung bereits einen Übergang in ein neues Regime des arktischen Meereises anzeigen, ist jedoch noch nicht gesichert. Solche Übergänge kommen in gekoppelten Klimamodellen vor, werden allerdings erst in den Szenarien für das spätere 21. Jahrhundert prognostiziert.
Die Schlüsselgröße in den Modellsimulationen für das arktische Meereis ist nicht die Fläche, sondern die Dicke des Eises. Mit Messgeräten, die von Hubschraubern über das Eis geschleppt werden, erfassen AWI-Experten auch stellenweise die Dicke der arktischen Eisdecke. Daten aus den letzten 15 Jahren belegen die Abnahme der Eisdicke in der Zentralarktis. „Wir können allerdings nicht ausschließen, dass Meereis lediglich mechanisch umverteilt worden ist“, sagt Gerdes. „Unsere Modellrechnungen zeigen, dass windbedingter Eistransport von der östlichen in die westliche Arktis ein wichtiger Faktor für die großen eisfreien Flächen nördlich der sibirischen Schelfmeere im Jahr 2007 war.“



