Aus der Forschung

Fotocollage: DLR
Verkehrslärm und Gesundheit
Anwohner von Flughäfen und Verkehrswegen fühlen sich insbesondere nachts durch den Verkehrslärm meist gestört. Die Reaktionen des Schlafenden auf Lärm können zwar mit elektrophysiologischen Methoden quantifiziert werden, bislang war aber unklar, ob diese Störungen mit Krankheitsbildern wie der Schlafapnoe vergleichbar sind, wo Atemaussetzer immer wieder den Schlaf unterbrechen? Diese Frage haben Lärmwirkungsforscher des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln, Arbeitsphysiologen der Universität Dortmund und Schlafmediziner der Universität Marburg und der Charité Berlin nun untersucht. Sie entwickelten einen Schlafstörungsindex, der Lärmwirkungen auf den Schlaf zusammenfasst und den Vergleich zu typischen Krankheitsbildern erlaubt.
Dabei zeigte sich, dass Verkehrslärm den Schlaf zwar eindeutig stört, der Grad der Störung aber, wenn überhaupt, nur mit der leichtesten Ausprägung des Schlafapnoe-Syndroms vergleichbar ist. Versuchspersonen schnitten nach einer durch Fluglärm gestörten Nachtruhe im Schlaflabor bei Leistungstests fast genauso gut ab wie nach ruhigen Nächten – allerdings fanden sie die Tests anstrengender und waren auch messbar angespannter. „Entscheidend ist offenbar, wie stark der Schlaf über das normale Maß hinaus immer wieder unterbrochen wird, zum Beispiel durch Aufwachreaktionen“, erklärt Dr. Mathias Basner, Abteilungsleiter Flugphysiologie des DLR.
Die Ergebnisse können dazu beitragen, Fluglärmwirkungen für Anwohner möglichst genau zu beschreiben und Schutzkonzepte zu optimieren. So haben die Forscher für den Ausbau des Flughafens Leipzig-Halle ein Nachtschutzkonzept entwickelt, das durch das Bundesverwaltungsgericht anerkannt ist und nun auch umgesetzt wird. „Wie sich solche eher geringfügigen Schlafstörungen allerdings über die Jahre auf die Gesundheit auswirken, wissen wir noch nicht“, erläutert Basner. Dies können nur Langzeitstudien beantworten, für die Lärmwirkungsforscher, Schlafforscher und Epidemiologen weiterhin eng zusammenarbeiten müssen.


