Aus der Forschung

Translationsforschung: Prof. Dr. Pietschmann und sein Team suchen am Twincore nach neuen Therapieansätzen gegen Hepatitis-C. Bild: HZI
Vom 12. bis 17. Juli findet in Berlin der XX. Internationale Genetik-Kongress statt, zu dem 3000 Teilnehmer erwartet werden. Kongresspräsident ist Prof. Dr. Rudi Balling, HZI. Das Programm und Anmeldungsformulare finden Sie unter www.geneticsberlin2008.com
Infektionsforschung am TWINCORE
Bessere Hygiene und Antibiotika haben zwar in vielen Teilen der Welt bakterielle Infektionen zurückgedrängt, besiegt sind sie jedoch nicht – im Gegenteil: Manche Krankheiten wie Tuberkulose erleben gerade wieder eine Renaissance. Darüber hinaus bedrohen virale Infektionskrankheiten wie AIDS und Hepatitis nach wie vor die Gesundheit von vielen Millionen Menschen weltweit.
Daher werden neue Strategien für die Diagnose, Vorbeugung und Therapie von Infektionserkrankungen gebraucht, die auf der Basis von soliden wissenschaftlichen Laborstudien schnell in die klinische Anwendung umgesetzt werden können. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) haben zu diesem Zweck nun ein gemeinsames Forschungszentrum gegründet, das Twincore in Hannover. Am Twincore forschen Mediziner und Biologen Seite an Seite und untersuchen, was auf molekularer Ebene bei akuten und chronischen Infekten durch Bakterien, Viren oder Pilzen geschieht, wie sich Resistenzen entwickeln, wo Impfstoffe ansetzen könnten und welche Rolle die genetische Disposition des Patienten dabei spielt. Auch die Krebsentstehung durch Viren und andere Erreger wird ein Themenbereich sein. Die Wissenschaftler klären Pathogenitätsmechanismen auf, um gemeinsam mit den Klinikern diese Ergebnisse in die Entwicklung neuartiger Diagnosemethoden, Impfstoffe und Therapien für die Patienten einzubringen. „Die Forschung soll schneller beim Patienten ankommen“, so Prof. Dr. Rudi Balling, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI.
„Mit der Gründung einer GmbH durch zwei Einrichtungen mit ganz unterschiedlichen Strukturen und unterschiedlicher Finanzierung gehen wir mit dem Twincore einen neuen Weg, der sicher Schule machen wird. Die Gründung einer gemeinsam getragenen Twincore GmbH steht kurz bevor“, so Prof. Dr. Jürgen Wehland, der zurzeit kommissarisch die Twincore-Aktivitäten koordiniert. „Momentan stehen für das Twincore wichtige Berufungsverhandlungen kurz vor dem Abschluss, und der Umbau des Gebäudes, das der Max-Planck-Gesellschaft gehörte und das von der Helmholtz-Gemeinschaft erworben wurde, ist fast fertiggestellt“, sagt Wehland.
„Ausstattung und Rahmenbedingungen hier am Twincore sind erstklassig. Die Infrastruktur für die Durchführung molekularbiologischer und infektiologischer Experimente bis hin zur Sicherheitsstufe 3 ist voll erschlossen. Darüber hinaus profitieren wir enorm durch die Nähe zur MHH und die direkte Anbindung an das HZI“, so Prof. Dr. Thomas Pietschmann, Leiter der Abteilung für Experimentelle Virologie. Der Hepatitis-C-Forscher ist seit einem halben Jahr am Twincore und hat inzwischen ein zehnköpfiges Team aufgebaut. Die chronische Viruserkrankung kann im Endstadium zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen, weltweit sind rund 170 Millionen Menschen infiziert, davon in Deutschland 400.000 bis 500.000 Menschen. Leider hilft die derzeit beste verfügbare Therapie nicht allen Hepatitis-C-Patienten und ist oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Um hier neue Ansätze zu identifizieren, untersuchen Pietschmann und sein Team die molekularen Grundlagen der Virusvermehrung in Leberzellen. Auf dieser Basis sollen Wirkstoffe entwickelt werden, die die Virusvermehrung hemmen und in der Zukunft eine effektivere Therapie der chronischen Hepatitis C ermöglichen.


