Aus der Forschung

Satellitenblick auf italienische Autobahn. Bild: DLR
TerraSAR-X: Ein neues Auge für die Erde
TerraSAR-X sieht aus wie eine große Litfasssäule, ist fünf Meter lang und misst 2,4 Meter im Durchmesser. Seit etwa vier Monaten kreist der neue Satellit auf seiner Umlaufbahn in rund 514 Kilometern Höhe.
Schon wenige Tage nach dem Start schickte er erste Aufnahmen an die Außenstelle des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums in Neustrelitz, kurz darauf wurden daraus im DLR-Oberpfaffenhofen erste Bildprodukte. Das neue Auge blickt mit Radarstrahlung sogar durch dicke Wolkendecken, sieht bei Nacht genauso gut wie am Tag und überfliegt alle drei Tage jeden Punkt der Erde.
Aufbau und Betrieb von TerraSAR-X wurden in einer public private partnership zwischen dem DLR und der EADS-Astrium GmbH realisiert. Das DLR übernimmt die wissenschaftliche Betreuung, während die Astrium-Tochter Infoterra Bilder mit kommerziellem Mehrwert erstellt und vermarktet. Der Satellit arbeitet mit einer Frequenz von 9,65 Gigahertz und verfügt über unterschiedliche Abbildungsfunktionen. So kann er Strukturen auflösen, die kleiner als ein Meter sind und aus dem Radarecho Informationen ablesen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, zum Beispiel Bodenfeuchte, Rauhigkeit und genaue Höhenprofile.
In einem Abbildungsmodus erfasst TerraSAR-X auch bewegte Objekte. So werden Strömungen in den Ozeanen, aber auch einzelne Schiffe und sogar Autos abgebildet, allerdings ohne die Fahrzeuge individuell identifizieren zu können. Das Bild zeigt die Autobahn A1 (Autostrada del Sole) in Italien, etwa 100 km südöstlich von Rom. Das Verfahren, das den Dopplereffekt nutzt, bildet fahrende Autos nicht auf ihrer eigentlichen Position (grüne Dreiecke) auf der Straße ab, sondern seitlich versetzt (rote Quadrate). Der seitliche Abstand ist ein Maß für die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Verkehrsforscher können aus solchen Daten ein flächiges Bild des Verkehrs ermitteln und so Störungen bei Großereignissen oder im Katastrophenfall besser managen.
Die Daten des neuen Satelliten können vielseitig genutzt werden, zum Beispiel im Küsten- und Gewässerschutz, für die Vegetationsanalyse und Meteorologie, denn sogar Windströmungen lassen sich abbilden. Daher spielt der neue deutsche Radarsatellit auch im europäischen Erdbeobachtungsprogramm „Global Monitoring for Environment and Security“ (GMES) eine wichtige Rolle.
Bis Ende des Jahres werden die Messinstrumente an Bord geeicht, dann entfaltet TerraSAR-X die ganze Bandbreite seiner Talente. Ab 2009 soll TerraSAR-X sogar synchron mit einem baugleichen Satelliten in einer Tandem-Mission fliegen, die das DLR gemeinsam mit Experten vom GeoForschungs-Zentrum Potsdam plant. Das Satellitentandem soll die gesamte Landoberfläche des Planeten digital und dreidimensional vermessen und diese Landkarte dann aus dem All zur Erde funken.


