Hermann

Aus der Forschung

Pressekonferenz in der Helmholtz-Gemeinschaft. Vlnr.: Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Prof. Dr. Peter Grünberg, Dr. Annette Schavan.

Peter Grünberg erklärte auf der Pressekonferenz in Berlin geduldig seine Entdeckung und Jürgen Mlynek und Annette Schavan freuen sich mit ihm. Bild: Amin Akhtar

 
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Riesenfreude über Nobelpreis

"Ich hatte Rummel erwartet und der ist auch eingetreten", sagte Prof. Dr. Peter Grünberg auf seiner zweiten Pressekonferenz zum Nobelpreis 2007, die am Tag nach der Bekanntgabe in Berlin stattfand. In den letzten Jahren hatten sich die Anzeichen gehäuft, dass der Physiker vom Forschungszentrum Jülich als Kandidat für den Nobelpreis in Frage kommt, nun darf er ihn im Dezember in Stockholm entgegen nehmen.

Der Festkörperphysiker hatte vor rund 20 Jahren zeitgleich mit seinem französischen Kollegen Albert Fert (Université Paris Sud) den Riesenmagnetowiderstandseffekt (GMR für Giant Magnetoresistance) entdeckt und damit nicht nur das spannende neue Forschungsfeld der Spintronik begründet, sondern auch eine Vielzahl von Innovationen angestoßen. Der quantenphysikalische Effekt tritt in Schichtstrukturen auf, die wie ein belegtes Brot aufgebaut sind: Zwischen zwei magnetischen Eisenschichten liegt dabei eine nichtmagnetische Schicht aus Chrom, die nur wenige Atomlagen dick ist. Die magnetischen Momente in den Eisenschichten beeinflussen sich durch die dünne Chromschicht und richten sich entweder parallel oder antiparallel zueinander aus. Doch schon sehr schwache Magnetfelder führen dazu, dass die Momente in den Schichtstrukturen umklappen, worauf der elektrische Widerstand sprunghaft steigt – auf eben einen Riesenwiderstandswert. Grünberg erkannte sofort die Bedeutung dieser Entdeckung für die Informationstechnologie und ließ den Effekt patentieren, was dem Forschungszentrum Jülich Lizenzeinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe einbringt. Der Effekt wird heute in fast jedem Schreib-/Lesekopf genutzt, weil er das präzise Auslesen von Information in Form von extrem dichten schwach magnetischen Mustern in Speichermedien ermöglicht. 

Der Physiker Grünberg betont, dass seine Entdeckung nicht nur die Computerindustrie beflügelt. Auch neue medizinische Anwendungen sind interessant: Viren und Antikörper können mit magnetischen Momenten markiert werden und dann mit GMR-Sensoren präzise geortet werden. Obwohl er seit 2004 offiziell im Ruhestand ist, forscht er als Gast in Jülich weiter. „Nun habe ich die Zeit, einigen Fragen noch tiefer auf den Grund zu gehen, Fragen, bei denen ich nicht sicher bin, ob dabei schnell etwas herauskommt“, sagt Grünberg. Ob er als Nobelpreisträger in Zukunft auch Position zu allgemeinen gesellschaftlichen Themen beziehen möchte? Das kann sich der Physiker durchaus vorstellen: „Wir brauchen Alternativen zum Erdöl, Energie ist für mich das entscheidende Thema für die Zukunft.“ 

Weitere Informationen finden Sie unter:  
http://www.fz-juelich.de/portal/gruenberg
www.nobelprize.org

arö

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