Aus der Forschung

Ein leuchtender Ring stand auf der festlichen Auftaktveranstaltung am 7. November für den neuen Teilchenbeschleuniger FAIR, die Fahnen zeigen die große internationale Beteiligung. Foto: G. Otto/GSI
Startschuss für FAIR
Ausgerechnet die Fundamente, auf dem das naturwissenschaftliche Gebäude errichtet wurde, sind nicht so gesichert, wie viele glauben. Im Gegenteil, hier gibt es noch große offene Fragen: Was ist Masse? Warum wiegen Protonen erheblich mehr als die drei Quarks, aus denen sie sich zusammensetzen? Auch über die starke Kraft, die diese Quarks zusammenhält, können Physiker bisher vor allem spekulieren.
Solche Grundlagenfragen sollen am neuen Teilchenbeschleuniger FAIR experimentell untersucht werden, der nun an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt in internationaler Zusammenarbeit aufgebaut wird. "Mit FAIR können wir die Physik des Universums im Labor nachstellen, wir können Materie produzieren, wie sie in den ersten Mikrosekunden nach dem Urknall existierte und sie hier und jetzt untersuchen“, sagt Prof. Dr. Horst Stöcker, wissenschaftlicher Geschäftsführer der GSI. Das Herzstück von FAIR ist ein unterirdisch verlaufender supraleitender Doppelringbeschleuniger mit einem Umfang von 1100 Metern. An diesen schließen sich Speicherringe und Experimentierstationen an, an denen viele Experimente parallel laufen können. „Diese Anlage wird hochintensive Ionenstrahlen und Antiprotonen produzieren, dies ist weltweit einmalig“, erklärt der Projektleiter Prof. Dr. Hans Gutbrod von der GSI.
Der Startschuss zum Aufbau fiel am 7. November. Er wurde mit einem Festakt gefeiert, zu dem Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan, der Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, sowie die Vertreter der beteiligten Länder gekommen waren. Mit der Vereinbarung, die an diesem Tag unterzeichnet wurde, ist die Finanzierung der Grundversion mit 940 Millionen Euro gesichert. Die Ausbaustufe soll rund 1,2 Milliarden Euro kosten. Dabei werden 65 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, 10 Prozent vom Land Hessen, 25 Prozent der Kosten von 15 Partnerländern getragen.
Insgesamt arbeiten rund 3000 Experten am Aufbau und der Planung von FAIR mit. Partnerland Russland hat mit der Helmholtz-Gemeinschaft zusammen ein Helmholtz FAIR Russia Research Center gegründet, um gezielt zum Großprojekt FAIR beizutragen. Und mit der neuen Helmholtz-Allianz „Cosmic Matter in the Laboratory“ unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft die Forschungsaktivitäten rund um FAIR in den nächsten fünf Jahren mit etwa 19 Millionen Euro, weitere 54 Millionen Euro tragen die Partner der Allianz bei. Geht alles nach Plan, dann können die ersten Experimente bereits 2012 stattfinden. „FAIR wird in Stufen in Betrieb gehen“, sagt Gutbrod. „Wir hoffen, dass 2016 der gesamte Komplex dieser sehr trickreichen Anlage voll in Betrieb ist.“ Und Stöcker ergänzt: „In den nächsten 25 Jahren wird FAIR die Antimaterie- und Schwerionenphysik-Forschungsstätte schlechthin sein – und zwar weltweit.“
Unter www.helmholtz.de/aktuelles/helmholtzaudio/helmholtzpodcast/ finden Sie einen Podcast zu FAIR sowie ein Interview mit dem Projektleiter Prof. Dr. Hans Gutbrod in Deutsch und Englisch.
Detaillierte Informationen finden Sie unter: http://www.gsi.de/fair/index.html


