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GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Erze aus dem Meer

Bodenschätze wie Kupfer und Zink, Silber und Gold kommen auch auf dem Grund der Ozeane vor: Dort, wo tektonische Platten aneinander grenzen, stoßen rauchende Schlote große Mengen an Metall-Schwefel-Verbindungen aus, die sich in Form von Massivsulfiden am Boden ablagern können. Ob diese Vorkommen dabei in Mengen entstanden sind, die einen Beitrag zur weltweiten Rohstoffversorgung leisten können, haben Geologen aus Kanada, den Vereinigten Staaten und Deutschland nun versucht, realistisch einzuschätzen.

Hydrothermalquelle
Ein „Schwarzer Raucher“ am Mittelatlantischen Rücken. Rund um derartige Hydrothermalquellen finden sich wertvolle Metallerze. Foto: ROV KIEL 6000/GEOMAR

Sie haben dafür 106 Vorkommen ausgewählt, die als repräsentativ für alle Vorkommen am Meeresboden gelten. Ihren Metallgehalt schätzten sie anhand einiger besonders gut untersuchter Lagerstätten und mit theoretischen Berechnungen ab. Dabei wurde ein wichtiger Unterschied zwischen den Sulfidvorkommen und den Fördermengen der Schwarzen Raucher deutlich. Diese Hydrothermalquellen fördern deutlich mehr Metalle aus dem Erdinneren hervor, als tatsächlich in den Sulfidvorkommen am Meeresboden abgelagert werden. Der größte Teil der Metalle wird in der weiteren Umgebung in großer Verdünnung abgesetzt und steht daher für den Bergbau nicht zur Verfügung.
„Dieser Aspekt wurde bisher unterschätzt“, erklärt Dr. Sven Petersen, Geologe am GEOMAR und Mitautor der Studie. „Das hat dazu geführt, dass die Chancen des Tiefsee-Meeresbergbaus oft überbewertet wurden.“ „Wir schätzen, dass in unmittelbarer Umgebung der weltweit bekannten vulkanischen Rücken etwa 600 Millionen Tonnen Massivsulfide lagern“, berichtet Petersen. Davon sind nur etwa 30 Millionen Tonnen Zink und Kupfer, die beiden bedeutensten Metalle, die aus diesen Vorkommen gewonnen werden sollen. Damit sind auf dem für einen Abbau zugänglichen Teil des Meeresbodens auf der Erde nur etwa so viel Zink und Kupfer verteilt, wie in einem Jahr weltweit im Bergbau gefördert werden. Vor diesem Hintergrund legen die Autoren der Studie nahe, Kosten und Gewinn genau zu hinterfragen. „Minen an Land kann der Bergbau auf Massivsulfide in der Tiefsee jedenfalls nicht ersetzen“, ist sich Petersen sicher.

GEOMAR/Red.