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Bericht des Präsidenten

Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft
Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft

In Gesellschaft und Politik besteht Übereinstimmung, dass Bildung und Forschung echte Investitionen in die Zukunft sind. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise, die viele Länder Europas schwer treffen, hat Deutschland Bildung und Forschung weiter ausgebaut. Die Helmholtz-Gemeinschaft nutzt diesen Rückhalt, um durch ihre Forschung die Basis für neue Technologien, Produkte und Dienstleistungen zu erweitern und auch mittel- und langfristig Lebensqualität und Wohlstand zu erhalten.

FORSCHUNG ALS INVESTITION IN DIE ZUKUNFT UND WACHSTUM DER HELMHOLTZ-GEMEINSCHAFT

Forschungspolitische Initiativen wie Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Pakt für Forschung und Innovation haben in den letzten Jahren Bewegung in die Wissenschaftslandschaft gebracht, insbesondere durch mehr Wettbewerb und neue Formen der Kooperation. In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative sind Helmholtz-Zentren als Partner der Universitäten an insgesamt neun Zukunftskonzepten und zahlreichen Exzellenzclustern und Graduiertenschulen beteiligt. Der Pakt für Forschung und Innovation sichert außeruniversitären Forschungsorganisationen einen jährlichen Mittelaufwuchs zu, der dringend notwendigen Bewegungsspielraum verleiht. Die Helmholtz-Gemeinschaft nutzt diesen Aufwuchs, um das Wissenschaftssystem noch leistungsfähiger zu machen, die Vernetzung mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft weiter auszubauen, den Wissenstransfer in die Wirtschaft zu verbessern und die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl für den wissenschaftlichen, als auch für den administrativ-technischen Bereich zu gewinnen und zu fördern. Auch die politischen Rahmenbedingungen für Bildung und Forschung verbessern sich: Die geplante Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern bietet endlich mehr Optionen, die chronisch unterfinanzierten Universitäten langfristig zu stärken. Das neue Wissenschaftsfreiheitsgesetz soll Forschungseinrichtungen mehr Gestaltungsspielräume auf zentralen Arbeitsfeldern sichern wie Haushalt, Bauvorhaben, Beteiligungen, aber insbesondere auch in Personalfragen, was die Attraktivität deutscher Forschungseinrichtungen im Wettbewerb um international renommierte Expertinnen und Experten weiter erhöhen wird.
Diese Entwicklung gibt der Helmholtz-Gemeinschaft den nötigen Rückhalt, ihre Mission zu erfüllen und durch Spitzenforschung einen Beitrag zur Lösung der großen und drängenden Fragen zu leisten. Gleichzeitig ist die Helmholtz-Gemeinschaft im vergangenen Jahr weiter gewachsen. So konnten wir das GEOMAR I Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel als Mitglied in die Helmholtz-Gemeinschaft aufnehmen, so dass nun insgesamt 18 große und international renommierte Forschungszentren unter dem Dach der Gemeinschaft vereinigt sind. Damit arbeiten derzeit rund 34.000 hochqualifizierte Menschen in der Helmholtz-Forschung an Lösungen für die großen Herausforderungen wie Energieversorgung, Klimawandel, Gesundheit und in der dazu dringend notwendigen Grundlagenforschung.

DIE GROSSEN HERAUSFORDERUNGEN: ENERGIEWENDE, KLIMAWANDEL, WASSER, GESUNDHEIT

Eine der größten Aufgaben ist die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energiequellen. Nach dem Beschluss der Bundesregierung zur Energiewende im Jahr 2011 sollen bis 2050 mindestens 80 Prozent des Strombedarfs durch Erneuerbare Energiequellen gedeckt werden (Quelle: BMU). Dies erfordert neue Lösungen für Netze und Zwischenspeicher sowie Effizienzsteigerungen in allen Technologien. Die Helmholtz-Gemeinschaft adressiert diese Aufgaben mit besonderem Nachdruck und stellt in den nächsten Jahren zusätzlich 135 Mio. Euro bereit, um die Energiewende voranzutreiben. Dieser gezielte Ausbau der Energieforschung wurde auch durch den jährlichen Aufwuchs aus dem Pakt für Forschung und Innovation ermöglicht. Dabei investieren wir rund 63 Mio. Euro in sechs Portfolio-Themen, die gezielt durch Experten identifizierte Forschungslücken abdecken. 24 Mio. Euro stellen wir für die Helmholtz-Energie-Initiative zum „Schnellen Ausbau der Energieforschung“ bereit, die in vier Helmholtz-Energie-Allianzen zukunftsfähige Energietechnologien entwickeln hilft. Der Umbau der Energieversorgung erfordert aber nicht nur technologische Lösungen, sondern muss von der gesamten Gesellschaft getragen werden. Neue Infrastrukturen wie Stromtrassen, Pumpspeicherwerke oder Windparks, Preissteigerungen und Einsparziele müssen die Perspektiven der verschiedenen Akteure mit einbeziehen und mit ihnen auch verhandelt werden, damit Planungen später auch verlässlich umsetzbar sind. In der Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS, die mit 8,25 Mio. Euro gefördert wird, arbeiten Experten aus drei Helmholtz-Zentren und vier Partnereinrichtungen an den sozioökonomischen Fragen zur Gestaltung und Umsetzung der Energiewende. Außerdem bauen wir zwei neue Helmholtz-Institute in Ulm und Freiberg auf, die mit jeweils 20 Mio. Euro in den nächsten Jahren gefördert werden. Am Helmholtz-Institut zur Erforschung von Energiespeichertechniken in Ulm werden die elektrochemischen Grundlagen neuartiger Batteriesysteme untersucht und neue Materialien dafür entwickelt werden. Träger sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Universität Ulm, assoziierte Partner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Zentrum für Solar- und Wasserstoffforschung. Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und die TU Bergakademie Freiberg haben das Helmholtz-Institut für Ressourcenforschung in Freiberg gegründet. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Gewinnung von mineralischen und metallischen Rohstoffen. Dabei untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch, wie sich wertvolle Rohstoffe effizienter einsetzen, aus Abfällen zurückgewinnen oder auch ersetzen lassen. Die Energiefrage hängt eng mit dem Klimawandel und anderen globalen Fragen nach der Endlichkeit von Ressourcen und ihrer nachhaltigen Nutzung zusammen. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des aktuellen Wissenschaftsjahres 2012, das unter dem Motto „Zukunftsprojekt Erde“ das Thema Nachhaltigkeit unter ganz verschiedenen Aspekten aufgreift und in die Öffentlichkeit trägt. Sie stehen aber auch im Brennpunkt der Helmholtz-Umweltforschung: Klima, Wasser, Böden, Biodiversität und die globalen und regionalen Veränderungen der Umwelt sind zentrale Themen in diesem Forschungsbereich. Neben der Forschung zu den vielfältigen und komplexen Zusammenhängen im System Erde arbeiten Helmholtz-Forschungsgruppen daran, innovative Maßnahmen und Technologien für den Klimaschutz, die Anpassung an unvermeidliche Klimaveränderungen, aber auch für eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen zu entwickeln. Wasser verdient dabei als unverzichtbare Ressource besondere Aufmerksamkeit – schon jetzt führen Klimawandel, Industrialisierung und wachsende Bevölkerung in vielen Regionen dazu, dass sauberes Wasser knapp wird. In dem neuen Portfoliothema „Helmholtz Wasser-Netzwerk“ arbeiten fünf Helmholtz-Zentren gemeinsam mit zahlreichen universitären Partnern daran, Wasserqualität und Wasserverfügbarkeit zu erfassen und zu verbessern und ein nachhaltiges Wassermanagement – regional und weltweit – zu entwickeln. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert das Vorhaben bis 2015 mit über 21 Mio. Euro. Im Zuge des demografischen Wandels müssen wir lernen, mit knappen Ressourcen wie Gesundheit, Arbeitskraft sowie der Verfügbarkeit von Nachwuchs nachhaltiger umzugehen. Dazu wird die Helmholtz-Gesundheitsforschung beitragen. Wenn wir durch Vorbeugung Krankheiten verhindern oder durch rechtzeitige Diagnose und individualisierte Therapien erkrankten Menschen wirksamer helfen können, bleiben ältere Menschen länger gesund und aktiv, so dass sich der demografische Wandel bewältigen lässt. Die Helmholtz-Gesundheitsforschung trägt dazu bei, Ursachen der großen Volkskrankheiten aufzuklären und neue Ansätze für Vorbeugung, Früherkennung und Therapie zu entwickeln. Um den Wissenstransfer in die Praxis zu verstärken, haben wir die Translationsforschung in Zusammenarbeit mit Universitätskliniken erheblich ausgebaut und setzen auf strategische Kooperationen mit Partnern aus der Wirtschaft. Insbesondere aber sind die Helmholtz-Gesundheitszentren wichtige Partner der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die das Bundesforschungsministerium initiiert und finanziert hat, um den Translationsprozess weiter zu optimieren und Prävention und Therapie der Volkskrankheiten zu verbessern. Im vergangenen Jahr sind vier neue Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung in den Bereichen Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Krebs gegründet worden, an denen über hundert Universitäten, Universitätskliniken sowie neben den Helmholtz-Zentren auch Partner aus der Wirtschaft eingebunden sind, um einen wirksamen Wissenstransfer aus der Forschung in die Anwendung und damit langfristig eine innovative und bezahlbare Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Auch einzelne Helmholtz-Zentren bauen aktiv ihre Vernetzung mit universitären Partnern aus: So werden das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Forschungsbereich der Charité ihre gemeinsamen Forschungsaktivitäten in der Krebsforschung und bei den Herz Kreislauf- und Nervensystem-Erkrankungen erheblich verstärken, mit der Option, Teile beider Einrichtungen unter einem Dach zusammenzuführen. Diese und andere strategische Kooperationen weisen in die Zukunft. Helmholtz gestaltet die Forschungslandschaft durch den Ausbau von diesen und vielen weiteren Kooperationen mit, um Synergieeffekte zu heben und optimale Bedingungen für erfolgreiche Forschung zu schaffen.

UNSERE WICHTIGSTEN RESSOURCEN: TALENTE UND INFRASTRUKTUREN

Unsere wichtigste „Ressource“ sind dabei die Menschen, die in der Helmholtz-Gemeinschaft arbeiten und mit ihrem Einsatz, ihren Ideen und Talenten die Forschung vorantreiben. Daher setzen wir ganz besonders auf die Förderung von Talenten durch ein umfassendes Talentmanagement auf allen Ebenen. Mit der Helmholtz-Akademie haben wir eine einzigartige Zusatzausbildung im Bereich Wissenschaftsmanagement für Nachwuchsführungskräfte entwickelt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wissenschaft, Administration und im Infrastrukturbereich können sich weiter qualifizieren und erfahren Unterstützung bei ihrer Karriereplanung. Insbesondere Frauen können auch vom Mentoring-Programm „In Führung gehen“ profitieren, um sich auf Leitungspositionen vorzubereiten. Chancengleichheit ist ein zentrales Anliegen unseres Talentmanagements und ist auch bei der Rekrutierung von Nachwuchs- und Führungskräften selbstverständlich. Die Helmholtz-Zentren bilden junge Menschen in anspruchsvollen Berufen aus und bieten über 6.000 Doktorandinnen und Doktoranden1 ein sehr gutes Forschungsumfeld für ihre Promotion. Jedes Jahr bewerben sich mehr exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt um die Leitung einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe, die einen hervorragenden Start in eine wissenschaftliche Karriere ermöglicht. Dabei freuen wir uns, dass wir mit solchen Angeboten weltweit hervorragende Forscherinnen und Forscher gewinnen können und so zur „BrainCirculation“ in der internationalen Wissenschaft beitragen. Ab 2013 werden wir zusätzliche Mittel für die Rekrutierungsinitiative der Helmholtz-Gemeinschaft bereitstellen, um Expertinnen und Experten für die Helmholtz-Energieforschung zu gewinnen. Die Helmholtz-Gemeinschaft wird zunehmend als sehr guter Arbeitgeber im Wissenschaftsbereich anerkannt, hier können engagierte Menschen ihre Talente entfalten, mit hochqualifizierten Kolleginnen und Kollegen die Forschung vorantreiben und vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation nutzen. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können am Aufbau und Betrieb von einzigartigen Infrastrukturen mitarbeiten, einem Alleinstellungsmerkmal der Gemeinschaft. Die Helmholtz-Gemeinschaft konzipiert und errichtet moderne und leistungsfähige Forschungsinfrastrukturen, um die Grenzen des Wissens zu erweitern. Gleichzeitig treibt die Arbeit an neuartigen Detektoren, Satelliten oder groß angelegten Messnetzwerken technologische Innovationen voran, die auch in ganz anderen Gebieten Anwendung finden. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat teilweise national und international die Rolle eines Architekten übernommen und in einem breit angelegten Strategieprozess („Helmholtz-Roadmap für Forschungsinfrastrukturen“) die großen Forschungsinfrastrukturen identifiziert, die in den nächsten Jahren für die Umsetzung des wissenschaftlichen Portfolios notwendig und strategisch relevant sein werden. Diese komplexen Großgeräte stehen nach ihrem Aufbau einer multidisziplinären und internationalen Nutzergemeinschaft und insbesondere auch den Universitäten kostenfrei zur Verfügung. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist dabei maßgeblich auch an internationalen Vorhaben beteiligt: So wird am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY der Europäische Röntgenlaser European XFEL gebaut, bei der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung soll mit der Facility for Antiproton and Ion Research FAIR in internationaler Zusammenarbeit ein weltweit einzigartiger Ionen-Beschleuniger entstehen und in Cadarache, Frankreich, arbeiten Helmholtz-Zentren am Aufbau des ITER, eines Experimentalreaktors für die Kernfusion.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet durch Spitzenforschung einen Beitrag zur Lösung der großen und drängenden Fragen und damit zur nachhaltigen Sicherung von Lebensqualität und Wohlstand. Dafür bauen wir zielgerichtet strategische Partnerschaften und Kooperationen auf, um Kompetenzen zu bündeln und raschere Fortschritte auf entscheidenden Feldern zu erreichen. Der Erfolg der Helmholtz-Gemeinschaft basiert auf den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wir gewinnen, halten und fördern. In der Helmholtz-Gemeinschaft finden sie optimale Arbeitsbedingungen und ein einzigartiges Forschungsumfeld. Im Auftrag der Gesellschaft schaffen wir eine Wissensbasis zur Bewältigung der großen Zukunftsfragen. Dieser Auftrag ist Kernstück unserer Mission. Die Helmholtz-Gemeinschaft sieht ihre Rolle als zuverlässiger Partner der Politik und der Gesellschaft auch als Verpflichtung, die Zukunft zu gestalten. Die Mitglieder der Helmholtz –Gemeinschaft haben gemeinsam im Papier „Helmholtz 2020 – Zukunftsgestaltung durch Partnerschaft“ Vorschläge erarbeitet, wie die Helmholtz-Gemeinschaft im Rahmen der Weiterentwicklung des Deutschen Wissenschaftssystems noch mehr Verantwortung in der Forschungslandschaft übernehmen kann.

 

1) Zahlen für 2011 inklusive GEOMAR