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aus der Forschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt

Lärm ist nicht gleich Lärm

Verkehrslärm nervt, verursacht Stress und kann krank machen! Um die Auswirkungen des Lärms zu bekämpfen, muss man jedoch zunächst verstehen, welche Art von Lärm wie auf den Menschen wirkt. Eine Forschungsgruppe vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin unter Leitung von Dr. Mathias Basner hat dafür 72 Personen im Dienst der Wissenschaft vorübergehend um ihren Schlaf gebracht.

Foto Aufnahme von Geräuschen
Forscherinnen und Forscher beschallten die Studienteilnehmer mit neun verschiedenen Geräuschszenarien. Foto/Grafik: DLR.
Foto Testperson im Schlaflabor
Testperson während der Schlafstudie im Kölner Schlaflabor. Foto/Grafik: DLR.

Gestörte Erholung

Die meisten Beschwerden über Verkehrslärm beziehen sich auf die Nachtstunden – wenn der menschliche Körper seine Kräfte regeneriert und die Psyche zur Ruhe kommt. Wird dieser Regenerationsprozess durch störende Einflüsse unterbrochen, ist die Leistungsfähigkeit am folgenden Tag herabgesetzt. Aus diesem Grund haben die Mediziner des DLR untersucht, wie unterschiedliche Verkehrsgeräusche den Schlaf beeinflussen: In einer Studie im Kölner Schlaflabor beobachteten sie 72 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 71 Jahren. An elf aufeinanderfolgenden Nächten beschallten sie die Probanden mit zuvor genau ausgewählten und aufgezeichneten Verkehrsgeräuschen. Dabei verwendeten sie neun verschiedene Geräuschszenarien. Dann untersuchten sie, wie der Lärm beispielsweise die Aufwachreaktionen beeinflusst und wie sich die Gehirnströme und die Herzfrequenz ändern.

Lärm ist nicht gleich Lärm

So unterschiedlich die Lärmquellen sind, so verschieden wirken sie auf den menschlichen Organismus und auf das Empfinden der Störung. Umfragen im Vorfeld der Studie zeigten, dass ein Großteil der befragten Bürger Fluglärm als besonders störend empfindet, gefolgt vom Straßen- und Schienenverkehrslärm.

Um diese subjektive Einschätzung wissenschaftlich zu überprüfen, haben die DLR-Wissenschaftler in ihrer Studie Verkehrsgeräusche von Luft, Straße und Schiene nacheinander in die Schlafzimmer der Probanden übertragen – alle mit derselben maximalen Dezibelzahl, wobei der Pegel zwischen 45 und 65 Dezibel lag. In einem Teil der Nächte wurden die Probanden zusätzlich einer Mischung aus unterschiedlichen Lärmquellen ausgesetzt. Lärmfreie Nächte dienten zur Überprüfung der Messergebnisse.

Fluglärm erschwert das Wiedereinschlafen

Am Morgen nach den Labornächten wurden die Konzentration und das Gedächtnis der Probanden getestet. Zusätzlich bewerteten die Testpersonen selbst die Qualität ihres Schlafes und den Grad der Störung. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass nicht nur die maximale Lautstärke des Geräuschs Einfluss auf den Schlaf nimmt: Steigt ein Geräuschpegel schnell an, wie beim Straßen- oder Schienenverkehr, stört es den Schlafenden messbar stärker, als Geräusche, die sich sehr langsam steigern, wie Fluglärm. Doch auch die Probanden der DLR-Studien empfanden subjektiv den Fluglärm als die größere Störung. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Dauer des Geräuschs sein: Ein gesunder Mensch wacht nachts rund zwanzig Mal auf – aber meist zu kurz, um dies bewusst zu registrieren. Vor allem wenn das störende Geräusch zu diesem Zeitpunkt bereits wieder verklungen ist, erinnert er sich nicht mehr daran. Flugzeuggeräusche aber kommen relativ langsam in Hörweite, erreichen dann ihren höchsten Lautstärkepegel und klingen dann nur allmählich wieder ab. Das damit sehr lange Geräusch ist also noch da, wenn der Schlafende kurzzeitig aufwacht. Er nimmt es bewusst wahr und das sofortige wieder Einschlafen fällt ihm schwerer.

Keine Gewöhnung an den Lärm

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Probanden sich nicht an den Lärm gewöhnten. Auch wenn sie mehrere Nächte in Folge dem Verkehrslärm ausgesetzt waren, führten die einzelnen Lärmereignisse noch immer zu einem Anstieg der Herzfrequenz. Auch die Ton-Frequenzen des Verkehrslärms sind entscheidend für den Grad der Schlafstörung. Insgesamt stützen diese Ergebnisse die inzwischen auch anderweitig gut belegte These, dass bei dauerhafter Lärmbelastung vermehrt Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems auftreten. Die Erkenntnisse können dabei helfen, Schallschutzmaßnahmen zu optimieren.

Michel Winand/DLR-Kommunikation