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aus der Forschung des Helmholtz Zentrums München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Genvarianten beeinflussen die Konzentration eines Diabetesmarkers

In Deutschland leiden mindestens sechs Millionen Menschen an Typ 2-Diabetes. Vermutlich ist die Zahl sogar deutlich höher, da viele Patienten noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Lebenstil, aber auch genetische Faktorenn, entscheiden darüber, wer wie schwer erkrankt. Experten aus dem Helmholtz Zentrum München haben nun Daten von insgesamt 46.000 Menschen untersucht und einige neue Genvarianten identifiziert.

Foto Kaffeekränzchen
Auch wenn Kuchen und Wein im Übermaß nicht gesund sind: Genetische Faktoren beeinflussen ebenfalls die Entstehung der Typ 2-Diabetes. Foto/Grafik: Helmholtz/E. Fesseler.

Bei Typ 2-Diabetes ist der Glukose-Stoffwechsel gestört, da die Wirkung oder die ausreichende Produktion des Hormons Insulin verloren gehen. Sowohl genetische als auch Lebensstilfaktoren sind daran beteiligt. Der wichtigste Blutwert, um den Verlauf der Krankheit zu verfolgen, ist das Glykohämoglobin (HbA1C). An Glukose gebundenes Hämoglobin ist ein Maß für den sogenannten Langzeitblutzucker und dient bei Diabetes-Patienten als Verlaufskontrolle und damit vor allem als Anzeiger für den Erfolg der angewandten Therapie.

Genvarianten beeinflussen die Konzentration eines Diabetesmarkers

Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben zusammen mit internationalen Kollegen neue Genvarianten identifiziert, die den HbA1C-Wert verändern. Sieben der beteiligten Genorte stehen in Verbindung mit seltenen Erberkrankungen wie Anämien und Störungen beim Speichern von Eisen. Für ihre Studie untersuchten die Forscher Daten von insgesamt 46.000 Menschen aus 23 genomweiten Assoziationsstudien und acht weiteren Kohorten. Damit ist die Studie die weltweit größte dieser Art.

Genvarianten bringen den Blutzucker-Spiegel ins Schwanken

Der HbA1C-Wert ist zu etwa 50 Prozent vererbt und hängt von einer ganzen Reihe genetischer Faktoren ab. Außerdem beeinflussen verschiedene Krankheiten wie chronische Malaria oder andere medizinische Einflussfaktoren wie zum Beispiel Bluttransfusionen und starker Blutverlust die Variabilität von HbA1C.

„Die beteiligten Gene erklären nur maximal fünf Prozent der HbA1C-Variabilität, und sieben der zehn gefundenen Genorte beeinflussen die Biologie der roten Blutkörperchen“, erklärt Dr. Christian Gieger, Arbeitsgruppenleiter am Institut für genetische Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München. „Darüber hinaus haben die häufig auftretenden Genvarianten einen kleinen, aber messbaren Einfluss bei einer Diabetes-Diagnose auf der Grundlage des HbA1C-Wertes.“ Die genauen biologischen Mechanismen, die den HbA1C-Wert im Blut zum Schwanken bringen, sind allerdings häufig noch unerforscht. „Bisher konnten wir in vielen Fällen nur einen statistischen Zusammenhang zwischen den Genen und dem HbA1C-Spiegel feststellen“, sagt Gieger.

Besseres Verständnis ermöglicht bessere Therapien

Das Ziel einer Diabetes-Therapie besteht nun darin, dass der HbA1C-Wert unter sieben Prozent bleibt. Ein besseres Verständnis der Langzeitblutzucker-Werte und ihrer genetischen Determinanten ermöglicht daher eine genauere Klassifikation bei einem Patienten.
„Unser Ziel ist es, das Zustandekommen der HbA1C-Schwankungen besser zu verstehen“, sagt Gieger. Je genauer die Abhängigkeit des Diabetesmarkers von der Genetik und den Lebensstilfaktoren sowie von deren Zusammenwirken bekannt sei, desto besser könnten sie auch genutzt werden, um Patienten individuell zu behandeln.

Andreas Fischer