Helmholtz-Gemeinschaft

Daten am Ende des Tunnels

Mit Röntgenabsorptionsspektroskopie untersuchen die HZB-Forscher die chemische Zusammensetzung der Magnetschichten. Foto: HZB/M. Setzpfand
Mit Röntgenabsorptionsspektroskopie untersuchen die HZB-Forscher die chemische Zusammensetzung der Magnetschichten. Foto: HZB/M. Setzpfand

Dr. Sergio Valencia und Dr. Florian Kronast vom Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) für Materialien und Energie sind genau wie Dr. Manuel Bibes und seine Kollegen von der französischen Forschungsorganisation CNRS südlich von Paris klassische Grundlagenforscher. Und doch zeigen sie mit ihrer Arbeit über die elektrische Steuerung von Elektronen-Spins einen Weg zur Entwicklung schnell startender Computer mit niedrigem Stromverbrauch. Denn jedes Elektron besitzt einen so genannten Spin, der ein kleines Magnetfeld erzeugt. „Eine elektrische Steuerung der Spins könnte nicht nur die Arbeitsspeicher in Computern revolutionieren, sondern auch andere elektronische Bauteile verbessern“, erklärt Sergio Valencia.

In heutigen PCs besteht der Arbeitsspeicher im Prinzip aus elektrischen Kondensatoren, also vielen kleinen Speichern für elektrische Ladungen. Wird die Stromzufuhr unterbrochen, entladen sich die Kondensatoren und die Daten sind weg. Beim nächsten Start holt sich der Computer die auf der Festplatte magnetisch dauerhaft gespeicherten Informationen für das Betriebssystem und die installierten Programme wieder in den Arbeitsspeicher. Das aber dauert je nach Gerät und Programmen einige Minuten. Erst nach diesem „Hochfahren“ kann der PC benutzt werden. Obendrein verlieren die Kondensatoren des Arbeitsspeichers laufend Ladung, die während des normalen Betriebs mehrmals in der Sekunde aufgefrischt werden muss. Dadurch frisst der Arbeitsspeicher relativ viel Energie.

Entwickler arbeiten daher eifrig an Systemen, die Daten magnetisch speichern. Sie nutzen den so genannten „magnetischen Tunnelwiderstand“ TMR (TunnelMagnetoResistance). „Dabei werden zwei dünne Magnetschichten, die zum Beispiel aus Eisen bestehen, durch einen noch dünneren Isolator voneinander getrennt“, erklärt Valencia. Im Prinzip verhindert diese Zwischenschicht, dass Elektronen von einer Magnetschicht zur anderen fließen. Ist der Isolator aber nur einen Millionstel Millimeter dick, lassen quantenmechanische Effekte einige Elektronen durch diese Sperrschicht „tunneln“.

Elektronen tragen aber nicht nur elektrische Ladungen, die in herkömmlichen Kondensatoren gespeichert werden können, sondern haben auch einen so genannten Spin, der ein winziges Magnetfeld erzeugt. Und dieses Magnetfeld bleibt auch dann erhalten, wenn der Strom abgeschaltet wird. Dabei kann der Spin zwei verschiedene Richtungen haben, die Physiker als „up“ und „down“ bezeichnen. Enthalten beide Magnetschichten eines TMR überwiegend Spins der gleichen Orientierung, tunneln die Elektronen viel leichter als bei einer Magnetschicht, die vor allem „up“-Spins enthält, während die andere überwiegend „down“-Spins hat. Im Prinzip kann man mit diesem Bauelement also einen Speicher herstellen, der zum Beispiel die binäre Zahl „1“ durch einen winzigen Abschnitt mit schlecht tunnelnden Elektronen und die „0“ durch gutes Tunneln dauerhaft festhält. Ein solcher auf Spins basierender Speicher kann ähnlich rasch und oft wie ein herkömmlicher Elektrokondensator-Arbeitsspeicher neu beschrieben werden.

Mit solchen TMR-Elementen funktionieren zum Beispiel die Leseköpfe moderner Festplatten in Computern. Zum Schreiben der Daten benötigen solche TMR-Arbeitsspeicher aber relativ starke Magnetfelder und daher auch viel Energie. Die CNRS-Forscher Vincent Garcia und Manuel Bibes haben daher den Isolator aus einer ferroelektrischen Verbindung hergestellt, die Bariumtitanat heißt. Anschließend haben die  HZB-Forscher Sergio Valencia und Florian Kronast die chemische Zusammensetzung der beteiligten Magnetschichten mit Hilfe der Röntgenabsorptionsspektroskopie genau untersucht.

Ein elektrisches Feld schaltet diesen Isolator mit sehr geringem Energieaufwand so, dass er auf einer Seite eine leicht positive und auf der anderen eine leicht negative elektrische Ladung trägt. Kehrt man das elektrische Feld um, dreht sich auch die Ladungsverteilung im Bariumtitanat um. Jede der beiden Schaltungen beeinflusst aber auch die Spins in den unmittelbar benachbarten magnetischen Schichten und damit natürlich auch das Tunneln. Diese Anordnung hat einen Riesenvorteil: Einmal dort niedergeschriebene Daten bleiben auch erhalten, wenn der Strom abgeschaltet wird.

„Nach diesem Vorbild könnte man zum Beispiel Arbeitsspeicher für PCs bauen, die erheblich weniger Energie als heutige Bauteile verbrauchen, trotzdem die Daten dauerhaft speichern und daher beim Einschalten sehr rasch hochfahren“, hofft Sergio Valencia. Damit haben die Grundlagenforscher vom CNRS und dem HZB eine Tür geöffnet, die zu einem schnell startenden Computer führen könnte, der erheblich umweltfreundlicher als herkömmliche Rechner ist.

Einblicke in die Forschung: Struktur der Materie

Im Teilchendetektor ALICE sollen Bleiatomkerne kollidieren, um einen Blick in das frühe Universum zu ermöglichen. Foto: CERN

Blick in die kosmische Ursuppe

Ende 2010 kommt ALICE: Der  büro-hausgroße, 10.000 Tonnen schwere Teilchendetektor ist darauf spezialisiert, die energiereichen Kollisionen der schnellen Bleikerne am CERN haarklein zu analysieren. Maßgeblich beteiligt sind Physiker des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt.

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Einblicke in die Forschung: Struktur der Materie

Die Bohrungen für IceCube werden mit heissem Wasser in das antarktische Eis geschmolzen. Foto: J. Bolmont
Die Bohrungen für IceCube werden mit heissem Wasser in das antarktische Eis geschmolzen. Foto: J. Bolmont

Neutrinojagd am Südpol

„IceCube“ liegt am Südpol und besteht aus rund 5000 optischen Sensoren, an Drahtseilen bis zu 2,5 Kilometer tief ins Eis der Antarktis versenkt. Es ist das südlichste Großexperiment der Welt.

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Einblicke in die Forschung: Struktur der Materie

Am Experimentierplatz des Berliner Forschungsreaktors durchleuchten Physiker die Proben mit Neutronen. Foto: HZB/A. Rouvière
Am Experimentierplatz des Berliner Forschungsreaktors durchleuchten Physiker die Proben mit Neutronen. Foto: HZB/A. Rouvière

Magnetische Monopole im Spin-Eis

In der Natur sind magnetische Monopole bislang nicht aufgefallen. Anders als elektrische Ladungen treten magnetische „Ladungen“ grundsätzlich nur als Dipole mit einem Nord- und einem Südpol auf. Die Entdeckung von magnetischen Monopolen im Herbst 2009 war daher eine Sensation.

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Einblicke in die Forschung: Struktur der Materie

Flash erkundet neue Zustände von Materie

Gewöhnlich schimmert es silbrig matt – typisch Aluminium eben. Doch unter extremen Umständen kann das  Leichtmetall durchsichtig werden, zwar nicht für normales Licht, aber für weiche Röntgenstrahlung. Das hat ein internationales Physikerteam am Forschungszentrum DESY in Hamburg mit der Lichtquelle FLASH entdeckt.

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Einblicke in die Forschung: Struktur der Materie

An der Ionenfalle SHIPTRAP wurde die Masse des künstlichen Elements 102, Nobelium, mit höchstmöglicher Präzision gemessen. Foto: GSI/G. Otto
An der Ionenfalle SHIPTRAP wurde die Masse des künstlichen Elements 102, Nobelium, mit höchstmöglicher Präzision gemessen. Foto: GSI/G. Otto

Schwere Elemente

Das bislang schwerste, offiziell anerkannte chemische Element besitzt die Ordnungszahl 112 und wurde am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entdeckt. Seit Februar 2010 trägt es endlich einen Namen: Copernicium, chemisches Symbol „Cn“, benannt nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus.

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11.06.2013