Helmholtz-Gemeinschaft

Unterthema Entscheidungsprozesse in der Wissensgesellschaft

Universität Zürich, RWI-Bibliothek

Der Übergang zur Wissensgesellschaft wird gegenwärtig als eine zentrale gesellschaftliche Entwicklung angesehen. Die Bedeutung der Wissensbasierung hat in allen Bereichen der Gesellschaft zugenommen, insbesondere durch die zunehmende Einbeziehung von wissenschaftlichem Wissen in politischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Entscheidungen. Wissenschaftliches Wissen ist der wesentliche Faktor technischer Entwicklungen. In diesem Zusammenhang werden gesellschaftliche Fragen nach der Produktion, Verteilung, Zugänglichkeit, Regulierung und Trägerschaft dieses Wissens aufgeworfen.

Auch Wissenschaft als Organisation und Wissensform verändert sich. Neben Grundlagenforschung und angewandter Forschung bilden sich neue Wissenschaftsformen, insbesondere auf Grund neuer gesellschaftlicher Bedarfe. Dies zeigt sich insbesondere an der Entwicklung der Vorsorgeforschung und des strategischen Wissens zur Lösung globaler Probleme, wie z.B. des Klimawandels oder der künftigen Energieversorgung. In vielen Fällen werden jedoch auch epistemische Unsicherheiten des Wissens deutlich, insbesondere hinsichtlich der nicht-intendierten Folgen von Wissens- und Techniknutzungen oder der Prognosefähigkeit künftiger wissenschaftlicher und technischer Entwicklungen. Mit steigender Wissensproduktion wird den Entscheidungsträgern und Betroffenen auch das Nicht-Wissen über Folgen von Wissenschaft und Technik gewahr, wie z.B. bei genmanipulierten Organismen.

In diesem Themenbereich werden Veränderungen der Wissensstruktur und der gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse insbesondere im Kontext der Nutzung von Technik und der Technikgestaltung erforscht. Die Ergebnisse liefern Beiträge für die wissenschaftliche Beratung von Politik und weiteren Entscheidungsträgern, für die Weiterentwicklung bestehender Formen der Technikgestaltung sowie für die Reflexion der wissenschaftlich-technischen Entwicklung. Dabei knüpfen die Arbeiten thematisch an internationale geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungen und Diskussionen zu Wissensgesellschaft, Wissens- und Technologiepolitik sowie gesellschaftlicher Technikgestaltung an. Methodologisch beziehen sie sich auf die wissenschaftliche Praxis der Technikfolgenabschätzung, deren Konzeptionen und Umsetzungen den neuen gesellschaftlichen Problemstellungen angepasst werden müssen. Die Forschungsarbeiten umfassen die Forschungsfelder „Wissens- und Technologiepolitik“, „Technischer Wandel und soziale Dynamiken“ sowie „Konzeptionen und Methoden der Technikfolgenabschätzung“.

Bildquelle: Wikimedia Commons

09.01.2013

Kontakt

Sprecher

Prof. Dr. Peter Wiedemann, KIT

peter.wiedemann (at) mac.com

Beteiligte Institute/Arbeitsgruppen

FZJ, KIT