Technikfolgenabschätzung zur Nanotechnologie
aus der Forschung des Karlsruher Instituts für Technologie
Nanofasern wie in diesem Bild finden sich in Kleidung mit UV-Schutz. Das Besondere an ihnen: Sie sind mit weniger als 300 Nanometer Durchmesser 1000-mal feiner als ein Menschenhaar. Foto/Grafik: BASF Pressefoto.mehr lesen
Nanopartikel sorgen beispielsweise dafür, dass Sonnencreme vor UV-Strahlen schützt oder Kleidung Schmutz abweist, sie haben aber darüber hinaus noch viele Einsatzfelder, die von der Mikroelektronik bis hin zu medizinischen Anwendungen reichen. Ausreichend untersucht ist ihre Wirkung aber noch nicht. Insbesondere kann nicht in allen Fällen dauerhaft ausgeschlossen werden, dass Nanopartikel der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt schaden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT um Professsor Dr. Michael Decker und Torsten Fleischer untersuchen, wie sich Forschung, Politik, Gesellschaft und Unternehmen zu Chancen und Risiken der Nanotechnologie verhalten und in einen konstruktiven Austausch treten können. Ziel ist es, den Umgang mit den neuen Technologien gemäß dem Prinzip der Vorsorge zu gestalten.
Die Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen, die kleiner als 100 Nanometer oder wenige Atomlagen dick sind. Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters. Nanoteilchen werden zum Beispiel Lebensmitteln zugesetzt, etwas als Emulgatoren in Ketchup und Schokolade. Aber sind die Wirkungen auf die Gesundheit wirklich ausreichend überprüft? „Der Verbraucher muss die Risiken einschätzen können, damit er entscheiden kann, ob er sie akzeptieren kann“, sagt Torsten Fleischer.
Sicherheit der Nanotechnologie
Die Sicherheit von Nanotechnologie ist daher ein Forschungsthema, mit der sich die Wissenschaftler im Projekt „NanoSafety“ unter der Leitung von Torsten Fleischer beschäftigen. „Wir beobachten und analysieren mögliche Umwelt-, Gesundheits- sowie Sicherheitsrisiken von künstlich hergestellten Nanopartikeln und beurteilen deren gesellschaftliche und ökologische Folgewirkung.“ Grundlage dafür bilden wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Nutzen und Risiko der Technologie. Ein Problem in neuen Technologiefeldern ist allerdings, dass die Wissensbestände zur Gefährdungsabschätzung bisher zu unsystematisch sind. „In Hinblick auf die wissenschaftliche Unsicherheit stellen wir uns insbesondere die Frage, wie die Politik konkret handeln kann. Unsere Aufgabe ist es, die Interessen der Gesellschaft sowie der Interessenvertreter gleichermaßen zu verstehen und in unsere Analysen einzubeziehen“, erklärt Michael Decker.
Systematisierung von Wissensbeständen
Im ITAS-Projekt „Beiträge zur Risiko-Governance von partikulären Nanomaterialien durch Evidenzkartierung ihrer möglichen Gesundheitsgefährdungen“, systematisieren die Wissenschaftler aktuell die Wissensbestände unterschiedlicher Fachdisziplinen, um die Gefährdung von ausgewählten Nanopartikeln abschätzen zu können. Die Wissenschaftler kartieren nicht nur das bestehende Wissen, sondern erforschen auch offene Fragen und Probleme der Risikoabschätzung von künstlich hergestellten Nanopartikeln. Des Weiteren werden aktuelle Vorhaben diskutiert, welche die Regulierung der Risiken von Nanotechnologie auf europäischer Ebene zum Ziel haben sowie damit verbundene Herausforderungen. Zum dritten ergründen die Wissenschaftler die Frage, welche Erwartungen die Bevölkerung an die Risikokommunikation von Nanopartikeln haben. Dies geschieht, indem sie die Bevölkerung zu Diskussionsrunden einladen.
Aus den Ergebnissen entwickeln die Forscher politische Handlungsempfehlungen für Interessenvertreter sowie Richtlinien, wie der Verbraucher mit der Nanotechnologie umgehen kann. Die Ergebnisse werden dann in mehreren Projektberichten an das STOA-Panel des Europäischen Parlamentes übermittelt.
Büro für Technikfolgenabschätzung
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag berät die Mitglieder des Parlaments, nicht nur zum Thema Nanotechnologie, sondern auch zu vielen anderen Themen wie beispielsweise Bio- und Gentechnik, Energie sowie Umwelt und Gesundheit. Seine Aufgabe ist die Verbesserung der Informationsgrundlagen der Abgeordneten, insbesondere bei komplexen forschungs- und technologiebezogenen Fragestellungen.
Saskia Kutscheidt
Mediensammlung zum Thema
Verweise
- STOA-Projekt NanoSafety
- ITAS-Projekt: Beiträge zur Risiko-Governance von partikulären Nanomaterialien durch Evidenzkartierung ihrer möglichen Gesundheitsgefährdungen
Andere

