Helmholtz-Gemeinschaft

Verkehrsbelastungen im Alpenraum

Die Alpenländer leiden besonders stark unter dem zunehmenden Transitverkehr, denn Schadstoffbelastungen und Lärm entlang der alpinen Hauptverkehrsstraßen sind je nach Wetterlage deutlich höher als im Flachland. Unter dem Namen ALPNAP haben Experten aus Universitäten und Forschungszentren Deutschlands, Österreichs, Italiens und Frankreichs ein alpenweites Netzwerk aufgebaut, um Maßnahmen zur Reduzierung der Lärmbelastung und des Schadstoffausstoßes im Alpenraum mit wissenschaftlichen Methoden zu unterstützen. Das europäische Projekt wurde vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre koordiniert. „Dabei war unser Ziel, dass der Verkehr nicht einfach auf andere Verkehrsachsen verlagert wird, sondern dass seine Auswirkungen auf die Anwohner reduziert werden“, betont Dr. Dietrich Heimann, Projektleiter am DLR. Die Szenarioberechnungen zeigten dabei manche Überraschung: So würde die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zwar die Belastung durch Schadstoffe und Lärm für einen großen Teil der Bevölkerung verringern, allerdings auf Kosten der Anwohner nahe der Bahnlinien, die unter mehr Lärm zu leiden hätten. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass Lärmschutzwände entlang von Autobahnen in Tälern die Hang-Anwohner nur bedingt schützen und dass bestimmte Wetterlagen in den Tälern die Lärm- und Schadstoffbelastung verstärken. Auf Basis dieser Erkenntnisse können Verkehrsleitmaßnahmen nun wetterabhängig durchgeführt und Belastungsspitzen verhindert werden. In einem Handbuch haben die ALPNAP-Partner ihre Ergebnisse gesammelt. Konkrete Handlungsempfehlungen unterstützen die Behörden beim Planen von Maßnahmen wie Mauterhebungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder zeitlich begrenzten Fahrverboten für den Schwerverkehr. Die Umsetzung möglicher Maßnahmen erfordere allerdings auch einen entsprechenden politischen Willen und eine Akzeptanz bei den Akteuren der Transportbranche, betont Heimann. 

09.01.2013