Helmholtz-Gemeinschaft

Neue Neurone für alte Gehirne

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
Maus im Rad

Mäuse, die körperlich aktiv sind, bleiben auch geistig länger fit. Wie Aktivität mit der Entstehung neuer Nervenzellen zusammenhängt, ist Forschungsthema der Gruppe um Prof. Dr. Gerd Kempermann. Foto: DZNEmehr lesen

Gewebe

Gewebe aus dem hippokampalen Gyrus denatatus einer ausgewachsenen Maus. In grün sieht man neuronale Vorläuferzellen, in rot ausdifferenzierte Granularzellen und in blau Astrozyten. Foto: DZNE

Seit einiger Zeit ist gut belegt, dass sowohl körperliche als auch geistige Aktivitäten das Risiko senken können, an Alzheimer und anderen Demenzen zu erkranken. Es ist aber weitgehend unklar, warum das so ist und wie man diese Wirkung noch gezielter zu Prävention und Therapie ausnutzen könnte.

Inzwischen weiß man, dass Sport und geistige Aktivitäten sogar noch im erwachsenen Organismus die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn anregen können, und zwar im Hippocampus, einer Hirnregion, die speziell bei der Gedächtnisbildung eine wesentliche Rolle spielt und bei Demenzen stark beeinträchtigt ist. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet der „adulten Neurogenese“ ist der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Gerd Kempermann vom Centrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) und dem Dresdener Standort des DZNE. Er untersucht insbesondere an Mäusen, wie Gene, aber auch das Verhalten die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn steuern. Denn hinter der Neurogenese steckt eine komplexe Biologie, und auch die Funktion der neuen Nervenzellen und ihre Integration in das bestehende neuronale Netz des Gehirns ist erst ansatzweise erforscht. „Wir untersuchen, wie die neuen Nervenzellen in die Hirnfunktion eingebunden sind und wie eine Störung adulter Neurogenese zu neurodegenerativen Erkrankungen und kognitiven Problemen im Alter beiträgt“, erklärt Kempermann. Denn erst in den letzten Jahren ist klar geworden, wozu neue Nervenzellen im Gehirn eigentlich gut sind: Kempermann und seine Kollegen sind überzeugt, dass sie dabei helfen, flexibel mit neuen Informationen umgehen zu können und sie in altbekannte Kontexte zu integrieren. Bei Demenzen oder der Depression ist diese Funktion oft frühzeitig gestört. Kempermanns Gruppe nutzt Tests mit virtuellen Realitäten, um diese besondere Flexibilität beim Menschen gezielt untersuchen zu können. „Unser Ziel ist herauszufinden, wie wir die Neurogenese gezielt stimulieren können, um Funktionsstörungen durch neurodegenerative Erkrankungen bei älteren Menschen vorzubeugen, sie zu kompensieren oder im besten Fall langfristig sogar zu heilen.“

DZNE/Red.

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Podcast-Beiträge über Alzheimer und Demenzforschung

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Verweise

DZNE

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25.07.2014