Helmholtz-Gemeinschaft

Was Strukturbiologie und Wundheilung verbindet

Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde
Listeria monocytogenes können menschliche Darmzellen befallen und dort schwere Infektionen auslösen. Foto: HZI/M. Rohde

Wie schaffen es Krankheitserreger eigentlich, die Abwehrbarrieren des menschlichen Körpers zu überwinden und den Organismus zu befallen? Dieser Frage geht das Team um Professor Dr. Dirk Heinz im Bereich Strukturbiologie des HZI nach. Dabei analysieren die Forscher mit Hilfe von Röntgenstrukturanalyse, Kernresonanzspektroskopie oder Massenspektrometrie die Strukturen so genannter Virulenzfaktoren aus pathogenen Mikroorganismen. Virulenzfaktoren sind spezielle Proteine, die Bakterien herstellen, um in Wirtszellen einzudringen und sich dort auszubreiten. „Die Analyse von Proteinen, die am Infektionsgeschehen maßgeblich beteiligt sind, spielt für uns eine besondere Rolle. Wir schauen uns den genauen Aufbau dieser Proteine
an, da die atomar aufgelöste Struktur eines Proteins sehr viel über seine eigentliche Funktion verrät“, so Heinz.

Er und seine Mitarbeiter untersuchen die Virulenzfaktoren einer ganzen Reihe von humanpathogenen Bakterien, Viren und Pilzen. Dazu gehören auch bakterielle Erreger wie Listerien. Aus verdorbenen Nahrungsmitteln gelangen Listerien über die Darmzellen in den Körper. Dabei dient ihr Oberflächen-Protein Internalin A als „Schlüssel“. Mit ihm interagieren sie mit dem Protein E-Cadherin, das sich auf den menschlichen Darmzellen befindet. Auf diese Weise verschaffen sie sich Eintritt in den Organismus und können sich anschließend über das Blut im Körper ausbreiten.

Mäuse sind im Gegensatz zum Menschen über diese Route nicht empfänglich für Listerien-Infektionen. Warum das so ist, haben die HZI-Forscher mit Hilfe vergleichender Strukturanalysen des E-Cadherins von Mensch und Maus herausgefunden: Das E-Cadherin der Maus unterscheidet sich in seiner Struktur etwas von dem menschlichen E-Cadherin. Das Internalin A der Listerien kann daher nicht an das E-Cadherin der Maus binden, weshalb Mäuse gegenüber dem Eindringen von Listerien immun sind.

Da Tiermodelle wie Mäuse in der medizinischen Forschung eine wichtige Rolle spielen, haben Heinz und sein Team den Versuch unternommen, das Internalin A der Listerien so zu verändern, dass es an das E-Cadherin der Mäuse binden kann. So können auch Mäuse von Listerien befallen werden. Da sie die Struktur des E-Cadherins der Maus bereits kannten, gelang es den Strukturbiologen mit nur zwei Mutationen im Listerien-Genom einen für Mäuse pathogenen Listerien-Stamm herzustellen. “Wir wollen nicht nur Strukturen analysieren, sondern auch möglichst einen direkten Mehrwert generieren. Über die Internaline konnten wir mit Hilfe der Strukturbiologie ein neues Tiermodell für humane Listeriose entwickeln. Langfristig sollen die Ergebnisse unserer Forschung die Grundlage für die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Diagnostika schaffen“, so Heinz.

Mit einer neuen Studie geben die HZI-Forscher gleich noch ein Beispiel: Ein weiteres Oberflächen-Protein der Listerien ist das so genannte Internalin B. Dieses ahmt einen Wachstumsfaktor nach und interagiert mit dem humanen Rezeptor Met, der unter anderem an Wundheilungsprozessen beteiligt ist. Die Forscher stellten fest, dass zwei im Versuch künstlich dicht zusammengelagerte Internalin B-Moleküle zu einer verstärkten Aktivierung des Met-Rezeptors führen. Heinz: „Dadurch würde der Prozess der Wundheilung ebenfalls verstärkt werden. Diese Ergebnisse könnten für die medizinische Unterstützung von Wundheilungsprozessen von großer Bedeutung sein - vor allem auch was schlecht heilende Wunden anbelangt, die sehr behandlungsintensiv sind. Wir kommen hier also von der Invasionsbiologie zur Wundheilung – das ist auch möglich mit Strukturbiologie.“ Die Gesundheitsforschung werde von strukturbiologischen Erkenntnissen über biomedizinisch bedeutende Proteine und Nukleinsäuren profitieren, ist Heinz überzeugt. Seit kurzem ist der Bereich Strukturbiologie des HZI assoziiertes Mitglied im künftigen europaweiten Forschungsnetzwerk für integrierte strukturbiologische Infrastrukturen (INSTRUCT). Als europäisches Zentrum für Proteinproduktion liefert das HZI Proteine aus Säugetier- und Insektenzellen unter Anwendung neu entwickelter Technologien, die die Forscher bereits im Rahmen der Helmholtz-Plattform „Protein Sample Production Facility“ entwickelt haben.

Und innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft ist das HZI federführend an einer neuen Initiative beteiligt: Auf dem Campus des Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg-Bahrenfeld soll das Zentrum für strukturelle Systembiologie (CSSB) entstehen, wo biologische Strukturen mit extrem leistungsstarken Photonenquellen untersucht werden können.

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Salmonellen wandern binnen 24 Stunden gezielt in das Tumorgewebe ein. Foto: HZI

Salmonellen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich bei warmem Wetter in unzureichend gegarten Eierspeisen rasant vermehren – mit den allseits bekannten und berüchtigten Folgen. Was weit weniger bekannt, aber nicht weniger interessant ist: Salmonellen haben neben Eis und Eierspeisen auch eine Vorliebe für Tumorgewebe.

Zum vollständigen Artikel 'Mit Salmonellen gegen Krebs'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Die Helmholtz-Forscher untersuchen Hirntumoren bei Kindern, hier ein Medulloblastom. MRT-Aufnahme: DKFZ

Das Genom ist das im Zellkern jeder Zelle gespeicherte Erbmaterial, das aus einer Abfolge von 3,2 Milliarden Bausteinen der DNA besteht. Im Jahr 2003 legte ein internationales Forscherteam das komplett entschlüsselte menschliche Genom vor und beendete damit die Arbeit des 1990 begonnenen Humangenomprojekts.

Zum vollständigen Artikel 'Auf dem Weg zu einer individualisierten Krebstherapie'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

In vitro kultivierte blutbildende Zellen der Maus. Foto: MDC/S. Ghani

Blutzellen leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb bildet der Körper Blutzellen immer wieder neu. Ihr Reservoir sind die Blutstammzellen. Ob aus einer Blutstammzelle bei der Zellteilung erneut eine Stammzelle wird oder ob sich verschiedene Blutzellen entwickeln, hängt von einem chemischen Vorgang ab, den Forscher schon lange kennen.

Zum vollständigen Artikel 'Wie das Schicksal von Blutstammzellen gesteuert wird'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Das Genomanalysezentrum am Helmholtz Zentrum München stellt moderne Technologien für Genom-, Proteom- und Metabolom-Analyse zur Verfügung. Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Risiko für Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen steigt enorm, wenn ungesunde Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung mit einer genetischen Veranlagung zusammen kommen. Forscher vom Helmholtz Zentrum München haben Varianten von bekannten Diabetes-Risikogenen und weiteren Genen entdeckt, die sie erstmals eindeutig mit Störungen im Fettstoffwechsel in Zusammenhang bringen konnten.

Zum vollständigen Artikel 'Metabolomics erobert Diabetes-Forschung'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Genetisch veränderte Mäuse, die das Entzündungsenzym COX-2 im Überschuss bilden, bleiben im Gegensatz zur normalen Mäusen auch bei fettreicher Kost schlank. Foto: DKFZ

Normalerweise sorgt die Regulation des Stoffwechsels für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, so dass das Körpergewicht weitgehend stabil bleibt. Bei zunehmender Fettleibigkeit wird mehr Energie im so genannten weißen Fettgewebe gespeichert als verbraucht. Braunes Fettgewebe hat dagegen eine andere Funktion, es wandelt Energie in Wärme um.

Zum vollständigen Artikel 'Braunes Fettgewebe als Schlankmacher'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Diese MRT-Aufnahmen von CADASIL-Patienten (hier aus dem King Faisal Hospital, Saudi-Arabien) zeigen kleinere Infarkte. Foto: King Faisal Specialist Hospital, Riyadh, Saudi Arabia/K. Abu-Amero, S. Bohlega

Etwa 250.000 Menschen pro Jahr haben in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet anschließend unter Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Forscher um Professor Dr. Norbert Hübner vom MDC haben in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen nun ein Mausmodell entwickelt, mit dem sich Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls genau untersuchen lassen.

Zum vollständigen Artikel 'Maus steht Modell für Schlaganfallpatienten'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Dr. Francesca Alessandrini untersucht, wie Feinstaub allergische Reaktionen beinflussen kann. Foto: Helmholtz Zentrum München

Eine Belastung durch Feinstaub führt häufig zu einer Verschlimmerung von allergischem Asthma. Dieser Zusammenhang ist aus epidemiologischen Studien bereits recht gut bekannt. Welche Rolle dabei ultrafeine Partikel spielen, wollten Dr. Francesca Alessandrini und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München und vom ZAUM Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München genauer untersuchen.

Zum vollständigen Artikel 'Ultrafeine Partikel verschlimmern Asthma'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans lassen sich Alterungsprozesse wie im Zeitraffer verfolgen. Foto: DZNE

Die Bevölkerung altert zunehmend. Obwohl ein gesundes Altern immer häufiger ist, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Alter zu. Bereits heute leiden in Deutschland rund eine Million Menschen an einer Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl - bedingt durch die steigende Lebenserwartung - bis auf das Dreifache erhöhen.

Zum vollständigen Artikel 'Altern im Zeitraffer'

Einblicke in die Forschung: Gesundheit

Viele Ältere fragen sich bei Gedächtnisproblemen, ob es sich dabei um die normale Altersvergesslichkeit handelt oder bereits um Anzeichen einer Demenz. Zur Diagnose dienen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), die strukturelle oder molekulare Veränderungen im Gehirn darstellen können. Ein negativer Befund wiegt die Patienten aber in falscher Sicherheit – nicht jede Veränderung kann damit festgestellt werden.

Zum vollständigen Artikel 'Frühwarnsystem für neurodegenerative Erkrankungen'

11.06.2013