Helmholtz-Gemeinschaft

Regulatoren der (Stamm-)Zellbiologie

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass so genannte micro-RNAs bei der Genregulation eine wichtige Rolle spielen. Sie bestimmen mit, welche Proteine in einer Zelle produziert werden. Ist diese Regulation gestört, können beispielsweise Stoffwechselerkrankungen, Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen entstehen. Die Forschergruppen von Dr. Matthias Selbach und Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky vom MDC konnten nun zeigen, dass eine micro-RNA die Bildung von hunderten von Proteinen steuern kann. „Micro-RNAs drehen an vielen Schaltern. Grundsätzlich kann eine einzige micro-RNA auf diese Weise das Schicksal einer Zelle komplett verändern“, so Selbach.

Dass micro-RNAs auch bei der Stammzellbiologie eine Rolle spielen, konnte das Forscherteam von Nikolaus Rajewsky mit Kollegen aus Kanada und den USA in einer Studie mit Plattwürmern nachweisen. Die Würmer, die auch Planarien genannt werden, haben die außergewöhnliche Fähigkeit, aus einem abgetrennten Körperteil wieder ein vollständig neues lebensfähiges Tier zu bilden. Dies verdanken sie ihren Stammzellen, die 30 Prozent ihrer Körperzellen ausmachen. „Einige der micro-RNAs, die bei den Planarien im Zusammenhang mit Stammzellen stehen, kommen auch beim Menschen vor. Die Erforschung der micro-RNA bei Planarien könnte deshalb auch Einblicke in die Stammzellbiologie und Regenerationsmechanismen des Menschen geben“, so Rajewsky.

Diese Ergebnisse des MDC sind für die weiterführende Forschung möglicherweise von großer Bedeutung. Denn micro-RNAs sind neue Hoffnungsträger hinsichtlich Diagnostik und Therapie unterschiedlicher Erkrankungen.

11.06.2013